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Am Strand, am Pool, im Hotelzimmer: 7 Bücher für den Urlaub

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Ob in einer einsamen Bucht im Schatten, auf der Plastiksonnenliege im Badeort, am Hotelpool, im Gänsehäufel oder einfach mit den Füßen im Planschbecken am Balkon: Gelesen wird auch in diesem Sommer. Die Kulturredaktion stellt ihre Favoriten der Strandlektüre vor. Spannende Pageturner, Sachbücher und Romane, die sich an einem Tag verschlingen lassen: Diese Bücher solltest du diesen Sommer unbedingt mitnehmen.

1. Girl, Woman, Other – Bernardine Evaristo (Hamish Hamilton, 2019), empfohlen von Zarah

Dieses Buch ist ein Pageturner, es liest sich wie elektrisierende Poesie, in einem Rhythmus, einem Sog, einem Rausch. Bernardine Evaristo erzählt in fluidem Stil von zwölf verschiedenen Charakteren in Großbritannien, die meisten von ihnen Schwarze Frauen, und wer einmal seine Nase zwischen die Buchseiten steckt, kann ihnen und der Autorin förmlich beim Atmen zuhören. Es geht um Liebe, Beruf, Feminismus, Missbrauch, Queerness, Schwarzsein, Träume, Abgründe, um Jahrzehnte voller Veränderung. Und ja, Evaristo schafft es, all diese Dinge in gut 450 Seiten zu packen und dabei trotzdem tief in die einzelnen Geschichten einzutauchen. Als erste Schwarze Frau wurde sie für dieses Buch mit dem Booker Prize 2019 ausgezeichnet, ironischerweise nicht allein, sondern gemeinsam mit Margaret Atwoods Die Zeuginnen. Die Jury sagt: „Passionate, razor-sharp, brimming with energy and humour, a must-read about modern Britain and womanhood… Dazzling.“ Amma, Yazz, Dominique und Co. – ihr werdet sie nach der Lektüre vermissen. Unbedingte Leseempfehlung!

Girl Woman Other

2. Mare Kandre, Der Teufel und Gott (Septime, 2014), empfohlen von Winona

Der Teufel, ein hässliches, jedoch zuweilen sentimentales und sogar nützliches Geschöpf, lebt traurig und einsam am Waldrand in der Nähe einer Menschensiedlung, dessen Nähe es sucht. Die Menschen jedoch benehmen sich wie eh und je – recht ausgelassen und rücksichtslos – und verfallen in eine hysterische Panik, sobald sie den abstoßenden Teufel erblicken. Gott hingegen ist ein rotzfreches, dickes Kind, das sich möglichst von seiner zweibeinigen Schöpfung fernhält und dann vor lauter Verdruss einschläft, während die Welt im Chaos versinkt. Der Teufel begibt sich in die Hölle, wo er über den Sinn seiner Arbeit philosophiert und zum Schluss kommt, dass es ihn nicht mehr erfüllt, Menschen im Fegefeuer zu verbrennen. Aber was passiert mit den Sündern, wenn es keine Fegefeuer mehr gibt? Und wo kann man denn noch hin, wenn man bereits durch die Hölle gegangen ist? Die schwedische Autorin Mare Kandre (1962-2005) hat 1994 dieses Meisterstück der modernen Literatur geschaffen, in dem sie religiöse Moralvorstellungen einer humorvollen literarischen Prüfung unterzieht und dabei im Vorbeigehen die gesamte Gesellschaft zum Narren hält.

Teufel und Gott

3. Richard David Precht, Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen (Goldmann, 2016), empfohlen von Lea

Der Autor, oft verschrien als oberflächlicher Pop-Philosoph, lieferte mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Tier-Mensch-Beziehungen und Ansätzen zu Tierschutz, Tierrechten und Tierethik. Nüchtern fasst Richard David Precht die menschliche Kulturgeschichte des Tieres zusammen: eine Geschichte der Unterwerfung, des Tötens und der Rechtfertigung. Von der Evolutionstheorie bis zur Philosophie und Religion konfrontiert uns der Text mit unserem Verhältnis zu Tieren. Wie denken wir Tiere und die scheinbare Überlegenheit des Menschen? Warum gehen wir mit tierischem Leben so rücksichtslos um? Können wir diesen Umgang logisch, emotional und moralisch eigentlich noch rechtfertigen? Auf knapp 500 Seiten sind Verkürzungen unvermeidbar, das Buch ist aber gerade deshalb ein perfekter Einstieg für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Diese Konfrontation ist nicht immer einfach und schmerzlos. Wer sich darauf aber ernsthaft einlässt, wird, vom tierversuchsgetesteten Shampoo im Badezimmer, über den treuen Hundefreund bis zum Steak auf dem Griller, die Welt ein bisschen anders sehen.

Tiere denken

4. Paul Auster, Leviathan (Viking Penguin Books, 1992), empfohlen von Max

Wer Geschichten liebt, muss Leviathan lesen. Paul Auster erzählt wie kein anderer von Liebe, Schriftstellertum und explodierenden Freiheitsstatuen. Seine Romanfiguren wachsen neben einem aus dem Boden, und ob man sie mag oder nicht, ein kleines bisschen verliebt man sich dann doch in jede von ihnen. Besonders die Dreiecksbeziehung der Protagonisten lässt einen mit-lieben und -leiden, während sich im Kleinen wie im Großen eine komplexe aber, dank Austers klarer Erzählweise, doch überschaubare Handlung entspinnt. Ein Pageturner mit emotionalem Tiefgang. Meisterwerk.

Leviathan Cover

5. Nick Hornby, About a Boy (Knaur Lemon, 1998),empfohlen von Alessia

Im Gegensatz zu den übrigen Empfehlungen hier eher ein altes Haus, was der Qualität aber keinen Abbruch tut. Denn es lohnt sich! Eigentlich sollte das Ganze „About Two Boys“ heißen, da haben wir Will Freeman in seinen Mittdreißigern, der sich von einer unbedeutenden Liaison zur nächsten hangelt und sein Leben in dreißig-minütige Einheiten einteilt, um seine Tage zu füllen. Der notorische Nichtstuer trifft schließlich auf den liebenswerten, aber auch sehr merkwürdigen, 12-jährigen Marcus, der sein Leben gehörig auf den Kopf stellt. Und diesen wird er nicht mehr los, denn Marcus selbst hat Will nun zu seinem neuen Freund auserkoren, den er nebenbei noch mit seiner labilen Mutter verkuppeln will. Nun kann man sich gefasst machen auf die ein oder andere sehr peinliche Situation und viele spritzige Dialoge. Für mich die perfekte Strandlektüre. Nick Hornby ist einer dieser Schriftsteller, die uns mit ihren vermeintlich lockeren Dialogen mitziehen und auf leichte und unkonventionelle Weise eine Geschichte erschaffen, die wahrhaftig berührt, ohne dabei zu dick aufzutragen. Und ehe man sich versieht, hat man nicht nur über die oftmals  sehr merkwürdigen, aber auch authentischen, Gedankengänge der Figuren schmunzeln müssen, sondern auch herzhaft gelacht und vielleicht auch die ein oder andere Träne verdrückt. Ein erfrischendes Leseerlebnis, besonders für einen heißen Sommertag am Strand.

About a boy

6. Francis Fukuyama, Identität (Rowohlt Taschenbuch, 2019), empfohlen von Max

Francis Fukuyama zählt zweifelsohne zu den einflussreichsten Denkern unserer Zeit. In Identität nähert sich der Amerikaner diesem umkämpften Begriff an und wagt einen Blick in die Kulturgeschichte, die er auf der Idee der „Würde“ aufbaut. Er blickt von links nach rechts und ist dabei weitgehend analytisch, ohne sich aber an ausgewählten Stellen vor klarer Positionierung zu fürchten. Bewundernswert klar ist Fukuyama, wenn er etwa die EU in die Pflicht nimmt, ein neues Identitätsgefühl zu stiften. Wer so klug ist wie Fukuyama, braucht sich auch nicht hinter überkomplexer Rhetorik zu verstecken, und das ist wahnsinnig angenehm für Leser*innen. Ein Must-read für gesellschaftlich Interessierte.

Identität Cover

7. Mariana Leky, Was man von hier aus sehen kann (Dumont, 2017), empfohlen von Lea

Immer wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Treffen kann es jeden. Die Menschen sehen in den nächsten Stunden genauer hin, sie beobachten sich selbst und das Leben, das sie bis jetzt geführt haben, sie rücken mit verschwiegenen Dingen heraus und bereiten sich auf das Allerschlimmste vor. Was man von hier aus sehen kann ist eine Dorfgeschichte, die vom Lieben, Zusammensein, Verschweigen, Verlieren und schließlich vom Glücklichsein erzählt. Ein bittersüßes Memento mori, wunderschön erzählt, witzig und tieftraurig zugleich. Der Roman liest sich ein bisschen wie Schwarztee mit Eiswürfeln schmeckt, ohne Kohlensäure, aber mit ein bisschen Honig.

Was man von hier aus sehen kann


 

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Münchner Kindl, Nachteule und Naschkatze
Studentin für Literaturwissenschaften

Schreibt, seit sie sich erinnern kann. Stationen in Leipzig und Kopenhagen (Philosophie, Kultur und Film). Literaturwissenschaftlerin.

Aus dem Ruhrgebiet. Studentin der Komparatistik und der Kommunikationswissenschaften.

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