Ausstellungsraum mit einer Collage

Realität ist eine Illusion – Alison Jackson im Westlicht

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Ist er das? Nein, das kann nicht sein. Oder etwa doch? In Alison Jacksons Ausstellung Fake Truth ist nichts so wie es scheint. Man glaubt (fast) seinen eigenen Augen nicht trauen zu können. Die Fotos zeigen täuschend echte Darbietungen bekannter Gesichter aus aller Welt, ob diese nun der Wahrheit entsprechen, bleibt bis zuletzt offen.

Wenn man die Treppe im Westlicht hinaufsteigt und im Eingangsbereich des Ausstellungsgebäudes landet, springt einem erstmal unverzüglich ein überdimensional großer Donald Trump entgegen. Dieser steht, sichtlich angetan, vor den gespreizten Beinen einer jungen, gesichtslosen Dame. Zugegebenermaßen mag dies dem ein oder anderen von uns gar nicht so unwahrscheinlich erscheinen, jedoch täuscht man sich, bei der Fotografie handelt es sich nämlich nicht um unseren Lieblingspräsidenten aus den Vereinigten Staaten, sondern um ein täuschend echtes Double. Inklusive blondiertem Haarschopf, der so aussieht, als würden sich dort jeden Moment ein paar Vögel einnisten, formlosem Anzug und im Solarium gebräunter Haut. Das Foto wirkt so real, dass man eigentlich gar nicht glauben kann, dass dies eine Fälschung sein soll.

Ausstellungsplakat Alison Jackson
©Lara Portha

Wahrheit oder Imagination?

Die aus Großbritannien stammende Künstlerin Alison Jackson zeigt Szenen, die wir uns insgeheim vorstellen, aber (leider) nie zu Gesicht bekommen. Sie gewährt uns einen kurzen Blick hinter die Kulissen. Seien es bekannte Schauspieler, die britischen Royals, Staatsoberhäupter oder Sänger, scheinbar keiner ist vor ihr sicher. Für ihre Inszenierungen verwendet sie Schauspieler und Doubles, die von einem ganzen Team aus Maskenbildnern und Kostümdesignern hergerichtet und dann gekonnt in verschiedenen Situationen arrangiert werden. Das sieht dann oftmals so perfekt aus, dass man seiner eigenen Einschätzung nicht mehr glauben kann. In einem Zeitalter, in denen Begriffe wie Fake News und alternative Fakten allgegenwärtig sind, gar nicht mal so untypisch. Wirklichkeit und Fiktion vermischen sich zu einem undurchschaubaren Mix, die Grenzen verschwimmen.

Die Darstellungen sind mitunter auch sehr provokativ, sie polarisieren. Michael Jackson, der ein Baby im Arm hält und diesem mit rotem Lippenstift etwas ins Gesicht malt, eine verschwommene Aufnahme von Donald Trump, eng umschlungen mit Anhängern des Ku-Klux-Klans oder Bill Clinton im Hotelzimmer mit einer unbekannten Dame, während nebenher seine Ehefrau und ehemalige First Lady Hilary im Fernsehen zu sehen ist.

Die Queen
©Lara Portha

Der Reiz des Unbekannten

Die Fotografin beschäftigt sich mit „dem Voyeurismus der Öffentlichkeit, mit der verführerischen Macht von Bildern und unserem Wunsch, ihnen Glauben zu schenken.“ Steckt da nicht wirklich eine große Wahrheit dahinter? Prominente üben eine große Faszination auf uns aus und manchmal wünschen wir uns, wir könnten auch einmal ganz kurz ein Teil dieser bunt glitzernden Welt sein. Jackson erfüllt uns diesen Wunsch. Sie lässt uns nur ganz kurz in dem Glauben, wir könnten auch mal mit dabei sein, wenn die Queen mit Elton John auf dem Klavier spielt oder Justin Bieber nach einer Spritztour mit seinem Wagen von Beamten abgeführt wird.

Ob diese Szenen vielleicht wirklich einmal so geschehen sind, wissen wir nicht, jedoch wollen wir es alle nur allzu gerne glauben. Realität liegt ja auch irgendwie immer im Auge des Betrachters.


Die Ausstellung läuft noch bis zum 26.01.20

Preise: ermäßigter Eintritt 5€, normaler Eintritt 8€

http://westlicht.com/de/programm/ausstellungen/alisonjacksonfaketruth

Münchner Kindl, Nachteule und Naschkatze
Studentin für Literaturwissenschaften

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