Spitting Ibex

„Diesmal ein Sitting Ibex Konzert.“| Interview mit Spitting Ibex

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Spitting Ibex ist zur Zeit einer der coolsten österreichischen Live-Acts. Mit ihrem breiten Spektrum zwischen Hip Hop, Funk und Soul bedienen sie kein konkretes Genre, sondern kreieren einen unverwechselbaren Sound, bei dem ihre Message nicht zu kurz kommt. Ihr letztes Album, Love Hate Fear Fate, präsentieren sie jetzt mit neuem Anstrich im Radiokulturhaus. Wir waren bei ihnen im Studio und haben mit ihnen über ihre Entwicklung, Songs und Konzerte gequatscht.

Titelbild: ©Maximilian Hatzl

Wer ist Spitting Ibex, ihr spielt doch auch mit vielen Substituten. Wer ist bei euch der Kern?

Florian Kittner: Der Kern ist eigentlich so wie wir hier sitzen: Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboard und Gesang. Die ganzen zusätzlichen Musiker nehmen wir abhängig vom Gig dazu. Eben wie zum Beispiel im Radiokulturhaus erstmalig mit Streichern.

Wie würdet ihr eure Musik am ehesten beschreiben? Ihr deckt ja ein ziemlich breites Specktrum ab: von Hip Hop/Rap bis Funk und Progressiv Rock….

Florian Kittner: Es ist schwierig, das in ein Wort oder Genre zu fassen. Der Grundstein ist meistens irgendetwas Funkiges, irgendetwas Hip-Hop-iges, irgendetwas Grooviges. Wobei es natürlich auch langsame und ruhigere Nummern gibt. Wir probieren auch, Genres durchzumischen und machen im Endeffekt eigentlich was wir wollen. Das definiert uns sicher auch.

Ihr habt Anfang des Jahres jetzt ein neues Album rausgebracht. Könnt ihr davon etwas erzählen?

Aunty: Ich will zum Cover etwas sagen. Das hat Clémence Moutoussamy gemacht. Nachdem ich ewig Instagram durchsucht habe, habe ich sie gefunden. Sie ist eine Pariserin, die eigentlich, glaube ich, Portugiesin ist. Sie hat sich dann an Love Hate Fear Fate gemacht und jedes Wort mit vier verschiedenen Bildern thematisiert. Ich liebe dieses Album-Artwork. Vom Anfang bis zum Release war das eine eine wunderschöne Collaboration von vielen verschiedenen Artists und Artistinnen.

Florian Kittner: Es ist eine Zusammenfassung der Arbeit aus den letzten drei Jahren. Da ist eben Aunty zur Band gekommen. Es ist auch vom Sound ganz anders als das erste. Man hört auch, dass wir beim Aufnehmen und der Produktion besser geworden sind. Das ist sehr gut gelungen und hat ein anderes Zeitalter von Spitting Ibex eingeleitet.

©Maximilian Hatzl

Worum geht es euch denn inhaltlich? Love, Hate, Fear, Fate sind ja quasi die Überbegriffe der Themen der Songs.

Florian Kittner: Es ist eine Mischung aus Themen, die uns persönlich beschäftigen. Das ist in diesen vier Schlagworten gut zusammengefasst. Es sind auf jeden Fall sozialkritische Aspekte dabei. In „Dingo Jackson“ ist es eher ironisch. Da geht’s um Gerechtigkeit. Aber eben durch Storytelling, durch diese fiktive Figur Dingo Jackson. Ein bisschen persifliert dargestellt, kann man sagen. „The Seeds of Your Sorrow“ war eher in die kritischere Richtung einzuordnen. Thematisiert wird der fehlende Zusammenhalt in der Gesellschaft. Partyklassiker dürfen natürlich auch nicht fehlen: zum Beispiel „1999 4Ever“, also diese funkigen Sachen.

Seht ihr euch selbst als politisch? Wollt ihr politisch sein?

Valentin: Im Moment kommt man fast nicht dran vorbei, politisch zu sein.

Florian Jauker: Wenn jemand sagt, er ist unpolitisch, dann ist er meistens rechts. Das ist leider oft so…

Aunty: Wir haben großes Glück, dass wir in Österreich leben dürfen und da geboren sind. Ich glaube wir sind alle Menschen, die auch kritisch darüber nachdenken, was außerhalb und innerhalb der EU passiert. Aber die Welt ignoriert es. Wir fassen das immer wieder in unseren Texten auf. Wenn ich für mich rede, ist das ein Beitrag, den ich leisten kann. Wenn jemand dann den Track geil findet und auch auf die Lyrics hört, kann er vielleicht auch etwas mitnehmen.

Florian Kittner: Man transportiert Inhalt auch durch Videos. Das haben wir zum Beispiel bei „The Seeds of  Your Sorrow“ gemacht. Da gibt es diese Szene, in der Flo bei einem nachgespielten letzten Abendmahl ein Selfie macht und diese Entwicklung der Gesellschaft andeutet. Es ist auf jeden Fall ein Ziel, dass wir das noch mehr und noch intensiver betreiben.

In dem Video zu eurer letzten Single „Illusions“ macht ihr das ja auch. Wie zeichnet sich das da ab?

Florian Kittner: Das ist für mich persönlich eines meiner Lieblingslieder vom Album. Es ist ein bisschen 90er Jahre Hip-Hop. Es geht um Illusionen, mit denen man bewusst und unbewusst jeden Tag zu tun hat. Wie man sich in Menschen täuschen kann und wie man Menschen wahrnimmt, wenn man sie nicht kennt.

Aunty: Der Jason ist generell ein Mensch, der sehr sozialkritisch ist. Da war ziemlich schnell klar, worum es gehen wird. Ich finde, seine Lyrics haben es auch echt auf den… wie sagt man… Nagel auf den Punkt getroffen.

Florian Kittner: Auf den Nagel gebracht!

Euer letztes Album ist stilistisch doch in einer anderen Sparte. Es gibt eine hörbare Entwicklung. Damals habt ihr mehr Rap gemacht und jetzt doch mehr Soul und Funk. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen? Wie ist Aunty dazugekommen?

Valentin: Es hat schon als Hip-Hop-Band begonnen.

Florian Kittner: Aunty ist relativ offen, wenn es um Rap geht. Man hört es ja auch bei manchen Nummern, das ist so eine Mischung aus Rap und Gesang. Das ist umgekehrt nicht so möglich. Eine Rapper*in ist halt eine Rapper*in und der/die rappt halt seine/ihre 16er runter und kann im Normalfall nicht so gut singen wie Aunty. So ist es leichter, Vielfalt hineinzubringen. Da haben wir bewusst nach Sängerinnen und Sängern gesucht.

Aunty: Der Vali hat mich dann beim Phatjam aufgegabelt. „He oida, puppe! Brauchst a Band?“ Aber ohne das Gabeln. Da waren ur viele Leute und du hast dich so durchgedrängt und bist auf einmal vor mir gestanden. Da hab ich noch Dreadlocks gehabt und da war es noch im Wirr unten. Das war einer der ersten Phatjams, bei denen ich war.

©Maximilian Hatzl

Die Dreadlocks hast du dann ja im Zuge des Videos zu „MR. Operator“ geopfert, oder?

Aunty: Oh yeah! Shout out to Ramirez! Dafür, dass er mich 4000 Mal gefragt hat, ob er jetzt eh abrasieren darf. Wir haben aber einen Safety-Take gehabt. Er hat einmal abrasiert, da hat irgendwas nicht gepasst mit dem Zoom. Dann haben wir halt die Dreads drüber gelegt und er hat nochmal rasiert. Ich werd das nicht vergessen, weil das ein bisschen schmerzhaft war. Ich hab‘ das nur für euch getan, for you people! Eh für mich auch. Aber das war eine alte Rasiermaschine und die Dreads sind stecken geblieben.

Gerade in den letzten 5 bis 10 Jahren wird Soul Musik ja endlich wieder relevanter.
Euch wird nachgesagt, dass ihr die Musik der 70er ins 21. Jahrhundert gebracht habt. Was genau gibt euch diese Musik? Warum macht ihr im Endeffekt moderne Vintage-Musik?

Aunty: Weil’s geil ist!

Florian Kittner: Empfinde ich genauso. Die jungen Leute dürften das auch wieder viel mehr aufgreifen und in ihrer Musik verarbeiten. Was uns natürlich auch wieder inspiriert. Vulfpeck oder Anderson .Paak und die ganze Partie greifen auf diesen Pool an Inspiration aus den 70ern zurück. Unsere Idee war, dass wir nicht diese Band sein wollen, die unbedingt so klingt, wie aus den 70ern. Sondern dass man da einen Sound kreiert, dass man es moderner macht und aktuelle Einflüsse mitbringt.

Was sind so eure Inspirationen, was was hört ihr gerne? Habt ihr Vorbilder?

Florian Kittner:  Ich habe sehr viele verschiedene Vorbilder, aus verschiedenen Aspekten. Der eine gefällt mir als Gitarrist voll gut, die andere gefällt mir dann, weil sie gute Texte schreibt, der dritte, weil er ein super Produzent ist.

Alex: Es hängt davon ab, womit man aufwächst. Ich selbst und Aunty sind auch ein bisschen jünger. Ich bin mit Punkrock aufgewachsen. Das war voll mein Ding, so Sum 41, blink 182… Das hat sich dann durchs Studium verändert. Da war ich dann voll im Drum and Bass drinnen.

Aunty: Ich war als Kind ein Tina Turner Fan. Mein Papa hat Fußball gespielt und am Ende von jedem Match war das erste Lied „Simply The Best“. Und ich bin mit meinen 5 Schilling aufgesprungen und übers Feld gerannt. Straight rüber, weil dann hat’s Eis gegeben. Da hab ich mir dann ein Twini geholt. Tina Turner hat mich da geprägt.

Florian Kittner: Ich glaub Vali, du hast gesagt, bei dir wars eher die Musik der Schlümpfe.

Valentin: Jaja… Zappa, Hendrix…. Schlümpfe

Ihr spielt am 20.10. im Radiokulturhaus mit fettem Arrangement. Erzählt mal davon.

Florian Kittner: Das ist eine Premiere für uns, weil die Leute sitzen werden. Wir hatten noch nie so ein Konzert. Wir sind das gewohnt, dass die Leute tanzen und abgehen. Jetzt werden sie halt einmal sitzen…

Aunty: …und abgehen…

Alex: …und zuhören…

Valentin: …und die Fresse halten!

Florian Kittner: Nein. Sitzen und genießen.

Aunty: Es ist diesmal ein Sitting Ibex Konzert, wenn ich die Nina zitieren darf. Das ist unsere Backingsängerin. Es ist eine Collab mit Backings, Streicher*innen, Percussion und wir haben auch einen zweiten Gitarristen dabei.

Florian Kittner: Es ist schon cool, dass es dann auch wieder ein bisschen anders klingt. Wir passen die Songs auch der anderen Besetzung an. Konzerte sind immer unterschiedlich.

Das hier ist ja euer eigener Proberaum und Studio. Ist das Selbst-Produzieren ein wesentlicher Teil des kreativen Prozesses?

Florian Kittner: Ich würde das nicht gerne aus der Hand geben. Außer es kommt ein ur arger Produzent.

Valentin: Der Produktions-Prozess ist ein wesentlicher Teil des Songwriting.

Florian Kittner: Ja, das verschmilzt sozusagen ineinander. Das ist auch ausschlaggebend dafür, dass es dann mehr ein Sound ist, als ein Genre und man trotzdem einen roten Faden hört. Durch das Studio und die Räume, die der Flo da über die letzten zehn Jahre aufgebaut hat, haben wir die Möglichkeit, dass wir nicht viel Geld für andere Studios ausgeben müssen.

Florian Jauker: Und keinen Zeitdruck haben.

©Maximilian Hatzl

Wie kann man euch jetzt am besten unterstützen?

Aunty: Vinyls, Cds, Shirts kaufen. In eure Motherfucking Spotifyplaylists unsere Songs reintun und die dann eurer Oma zeigen: „I hob da wos, des heat si aun wia vo friacha.“ Oder Sticker in der Stadt rumpicken.

Florian Kittner: Sich den Bandnamen tätowieren lassen, oder einfach Spitting Ibex-Aktien kaufen. Da gibt’s viel Möglichkeiten.

Aunty: Wenn es reiche Leute gibt, können sie gerne auch aufs Spitting Ibex-Konto spenden. Wir werden es natürlich gleich für unser nächstes Video ausgeben.

Das wäre meine nächste Frage gewesen: Was sind denn eure Pläne für die Zukunft?

Aunty: Es wird bald was kommen, videotechnisch. Der Track ist auf jeden Fall wieder etwas, das man wahrscheinlich nicht so erwarten würde. Das Video hoffentlich auch. Ich hab‘ mir Mühe gegeben, ein geiles Outfit zu finden, die Location ist auch mega fett und man kann auf jeden Fall neugierig sein. Punkt, Rufzeichen, Fragezeichen. Stay curious. Wir werden auch neue Songs im Radiokulturhaus vorstellen.

Florian Kittner: Ein paar Features sind auch schon angedacht. Da haben wir zwei Sängerinnen im Kopf. Das Video mit einer neuen Single wird wahrscheinlich im Frühjahr kommen. Wir wollen noch ein anderes Video machen, das relativ aufwendig ist, es ist aber fraglich, ob das wegen Corona dieses Jahr so möglich ist.

Aunty: Es werden auch ein paar Remixes kommen, mit Wiener DJ/Producer-Menschen.

Florian Kittner: Der erste ist schon draußen. Wir haben von „Illusions“ diesen Drum and Bass Remix, den ein Freund von uns gemacht hat. Der spielt auch im Radiokulturhaus als zweiter Gitarrist. Es freut uns, dass Leute aus unserer Musik wieder etwas Neues entstehen lassen.

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