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Psychotherapie?! Na, so schlecht geht es mir auch nicht.

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Ab Herbst 2021 sind 20.000 neue Kassenplätze für Psychotherapie geplant. Kampagnen wie #darüberredenwir und #mehrpsychotherapiejetzt setzen sich für Entstigmatisierung ein. Auf Social Media wird immer mehr offen über psychische Gesundheit geredet. 
Das zeigt: Psychotherapie ist wichtig. Für alle.

Die Straßenseite wechseln, weil einem ein Hund entgegenkommt. Nicht mit den Freunden in den Urlaub fahren, weil allein der Gedanke daran, zu fliegen, Schweißausbrüche verursacht. Beim Essen im Garten aufspringen, weil sich eine Wespe nähert. Mit Bauchweh ins Bett gehen, weil der nächste Tag schon am Abend davor Stress und Nervosität verursacht. 
Dann geht man an schönen Tagen eben nicht in den Park, um keinen Hunden oder Insekten zu begegnen. Nicht mit dem Flugzeug zu fliegen, ist eh viel umweltfreundlicher. Jeder ist doch mal nervös. Ja, Nervosität gehört zum Leben. Ängste auch. Aber sobald Nervosität oder Angst den Alltag einschränken, ist das eine psychische Störung. Die Frage ist nicht: „Ist das normal oder nicht?“, sondern „Leide ich?“.

Leiden ist für jeden anders

Es müssen keine Ängste sein, unter denen man leidet. Auch Gefühle der Überforderung, Planlosigkeit die eigene Existenz betreffend, Trauer, plötzliche emotionale Ausbrüche und noch viele andere Gedanken und Gefühlsregungen können die Lebensqualität beeinträchtigen.
Ein gewisses Tagespensum oder Stresslevel, das für die eine leicht zu bewältigen ist, löst bei dem anderen Herzklopfen aus. Die einen steigen ganz selbstverständlich den Berg hoch, während andere sich an ihren Wanderstöcken festklammern und sämtliche Lebensentscheidungen hinterfragen, die sie zu dieser Wanderung geführt haben.
Schätzungen zufolge leidet mindestens jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens einmal unter einer psychischen Störung. Angststörungen und Depression sind dabei die am öftesten gestellten Diagnosen. Ungefähr die Hälfte aller psychischen Störungen brechen vor dem 15. Lebensjahr aus, zwei Drittel vor dem 25. Lebensjahr.
Psychische Probleme wirken sich nicht nur auf die Lebensqualität aus; die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sind psychische Erkrankungen, und die Lebenserwartung von psychisch nicht gesunden Personen ist niedriger. Dennoch werden psychische Krankheiten oftmals stigmatisiert und Betroffene zögern, sich Unterstützung bei einer Psychiaterin oder einem Psychotherapeuten zu holen.

Der Umgang mit sich selbst

Auch wenn man keine psychiatrische Diagnose hat, kann es sehr wohltuend sein, mit einer Psychotherapeutin über manche Dinge zu sprechen und sich selbst besser kennenzulernen.
Sich selbst gut zu kennen, bringt viele Vorteile mit sich; das Gefühl, sein Leben im Griff zu haben, steigt mit der Kenntnis seiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt. Wenn man weiß, wie man auf bestimmte Dinge reagiert, kann man – wenn es sein muss – gegenlenken, und so negative Gefühle und Stress vermindern. Therapeuten helfen dabei zu lernen, sich selbst zu helfen und Strategien zu entwickeln, die die psychische Gesundheit wiederherstellen, aufrechterhalten und fördern.

Wo finde ich Psychotherapie?

In Österreich gibt es 10.150 (Stand Oktober 2019) eingetragene Psychotherapeut*innen, die nach 23 verschiedenen – gesetzlich anerkannten – Methoden behandeln. Über die Unterschiede bei diesen Methoden informiert zum Beispiel der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) oder die psychotherapeutische Erstberatungs-Hotline der Vereinigung österreichischer PsychotherapeutInnen (VöPP). Bei der Auswahl einer bestimmten Therapiemethode kann es gut sein, eine Methode zu wählen, die den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Es ist wichtig, eine*n Psychotherapeut*in zu finden, mit dem*der es passt. Die meisten bieten kostenlose Erstsitzungen an, in denen man erzählt, warum man eine Psychotherapie machen möchte und Klient*in und Therapeut*in sich kennenlernen und herausfinden können, ob man sich versteht.
Nichts ist unwichtig genug, um nicht darüber zu sprechen.
Psychotherapeut*innen sind ausgebildet alles wertfrei zu betrachten, aber jeden Menschen als wertvoll zu erachten. Und diese Fähigkeit, sich selbst und auch andere als wertfrei und wertvoll zu betrachten, kann und sollte man lernen.


Weitere Infos

Informationen über Psychotherapie des Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie

Erstberatungs-Hotline der Vereinigung österreichischer PsychotherapeutInnen

Studentin. Psychotherapeutin to be.

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