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Lesen und dabei Gutes tun – Interview mit Books4Life Wien

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Der Wiener Buchladen Books4Life Wien liefert ein Win-Win-Konzept für alle Beteiligten, das ebenso einfach wie genial ist: günstig Bücher kaufen und dabei auch noch Gutes tun! Geschäftsführerin Nina Okoeko erzählt im Interview von den Herausforderungen eines sozialen Buchgeschäfts, den Auswirkungen der Pandemie und Überraschungen im Postkasten.

Titelbild: (c) Books4Life

Was ist das Konzept von Books4Life?

Wir sind ein sozialer Buchladen, das bedeutet, wir bekommen Bücher gespendet und verkaufen sie weiter. 90 Prozent des Erlöses gehen an verschiedene armutsbekämpfende Organisationen. Für uns ist es wichtig, dass wir Bücher zu niedrigen Preisen anbieten, damit auch Menschen mit einem kleineren Geldbörserl sich Literatur zulegen können.

Woher stammt die Idee?

Die Idee stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Dort wurde der erste Books4Life Shop 2004 von zwei Studenten gegründet. Das hat sich dann relativ schnell in den Niederlanden verbreitet. Unsere Kolleg*innen in Graz waren die Ersten, die in Österreich einen Shop eröffnet haben und 2012 haben wir dann in Wien einen Standort aufgemacht.

Das eingenommene Geld spendet ihr an gemeinnützige Organisationen. Nach welchen Kriterien wählt ihr sie aus?

Jedes Jahr bei Generalversammlungen hat jedes Mitglied bei uns die Möglichkeit, eine Organisation vorzuschlagen und wir wählen dann im Verband aus: Es gibt eine Abstimmung und die entscheidet über zwei Organisationen. Zwei weitere Organisationen sind immer fix: die Caritas mit der Gruft und Amnesty International. Kriterium ist, dass sie armutsbekämpfend und sozial sind.

Was für Bücher habt ihr im Sortiment? Welche Bücherspenden nehmt ihr an?

Alle Bücher hier sind Spenden. Wir bekommen die Spenden entweder von Privatpersonen oder aus Kooperationen mit Verlagen oder von Autor*innen selbst, die bei uns vielleicht eine Lesung machen und uns dann Bücher schenken, die wir verkaufen können. Wir haben also eine große Bandbreite, sind aber auch auf das angewiesen, was wir gespendet bekommen, also wir haben keinen Einfluss auf unser Sortiment. Aber bei uns findet man alles, Romane, Krimis, englischsprachige Bücher, auch andere Sprachen, z.B. Französisch, auch Sachbücher, Fantasy, Kinderbücher, also wirklich Einiges.

Ihr habt auch einen Online-Shop?

Genau, es gibt dort eine Bücherliste, sodass die Kund*innen schon im Vorhinein schauen können, was sie gern kaufen würden oder was es gibt; man kann die Bücher auch online reservieren. Für uns ist es am einfachsten, wenn sie dann abgeholt werden, weil es mit dem Postversand etwas komplizierter ist und gewartet werden muss, bis das Geld da ist, aber wir versenden auch zum Beispiel an Personen, die nicht in Wien sind. Seit August neu bei uns ist das Bücher-Abo, da kann man das Genre auswählen und bekommt dann ein bis vier Überraschungsbücher pro Monat zugesandt. Das ist ganz gut angekommen und wir hoffen, dass es so bleibt und alle zufrieden sind mit den Büchern.

Es gibt außerdem einen regelmäßigen Lagerabverkauf. Was können wir uns darunter vorstellen?

Unsere Lagerabverkäufe waren sehr berühmt, da sind die Leute teilweise eine Stunde vor unserem Shop angestanden. Damit haben wir sehr viel Umsatz gemacht, deswegen gab es zwei- bis dreimal im Jahr einen Lagerabverkauf. Das bedeutet, dass wir die Bücher, die wir im Lager haben, die also noch nicht im System gespeichert sind, herausräumen und für zwei Euro pro Buch verkaufen, auch größere Sachbücher. Wegen Corona haben wir leider schon länger keine Lagerabverkäufe mehr gehabt, was für uns ziemlich schwierig ist, weil damit eine wichtige Einnahmequelle weggefallen ist. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Leute jetzt kommen oder spenden oder online Bücher-Abos bestellen.

Hatte die Pandemie ansonsten großen Einfluss auf euch?

Ja, das war schwierig. Wir haben zwei Monate zumachen müssen und mussten trotzdem die Miete bezahlen und sind jetzt im Rückstand. Ohne Corona wäre das letzte Vereinsjahr bis April ganz gut gewesen, jetzt war es ein bisschen schlechter als im Jahr davor. Wir haben auch Sorge, dass weniger Leute kommen und dass wir in Zukunft auch Schwierigkeiten haben werden, die Miete zu bezahlen.

Ihr habt auch weitere Veranstaltungen und Aktionen. Kannst Du ein paar Beispiele nennen?

Wir machen ganz unterschiedliche Events. Unser Fokus liegt natürlich auf Lesungen und hat mit Büchern zu tun, aber es gibt auch Workshops mit Hand-Lettering oder Junk Journaling, Bücherbasteln – im Winter haben wir immer einen Origami-Workshop, wo man Karten für Weihnachten oder Winterkarten basteln kann. Jetzt haben wir ein paar Sachen in Schönbrunn gehabt, weil unser Shop zu klein ist, um die Corona-Maßnahmen für Events einhalten zu können. Die waren auch gut, dort gab es Lesungen oder eine Führung. Im Herbst werden noch spannende Events kommen, wir haben z.B. eine Literatur-Rätsel-Rallye geplant und ich glaube, dass das ganz cool werden wird.

Welche Möglichkeiten gibt es, bei euch mitzumachen oder euch zu unterstützen?

Wir arbeiten alle ehrenamtlich, man kann sich also bei uns ehrenamtlich engagieren. Das kann unterschiedliche Ausmaße haben: Als ganz normaler Shoppie bedeutet das, sechs Stunden im Monat Zeit für einen Dienst bei uns im Buchladen zu haben. Wer sich mehr im Verein engagieren will, kann auch andere Aufgaben übernehmen. Im Social Media Bereich suchen wir beispielsweise immer Leute oder für die Dienstplanbetreuung. Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Wer sich nicht ehrenamtlich engagieren, aber trotzdem Books4Life unterstützen will, kann auf jeden Fall spenden oder auch nur von uns erzählen, uns verlinken. Je mehr Follower, desto besser für uns, so können uns am meisten Menschen erreichen.


Weitere Informationen

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Schreibt, seit sie sich erinnern kann. Stationen in Leipzig und Kopenhagen (Philosophie, Kultur und Film). Literaturwissenschaftlerin.

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