Verhütung Illustration

Luxusgut Selbstbestimmung

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Sichere Verhütung und der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen müssen vor allem eines sein: leistbar. In Österreich ist allerdings genau das Gegenteil der Fall: Dadurch stellt sich die Frage, inwiefern sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung hierzulande tatsächlich ermöglicht wird. 

Heuer jährt sie sich bereits zum 45. Mal: die sogenannte Fristenlösung zur gesetzlichen Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen. Laut dieser ist ein solcher Abbruch unter der Einhaltung einer festgelegten Frist (die ersten drei Monate einer Schwangerschaft) nicht strafbar. Nach diesem Zeitraum ist ein Abbruch (Spätabbruch) in Österreich nur in bestimmten Fällen erlaubt.

Erst im vergangenen Jahr stand diese Regelung – und damit das Thema der reproduktiven Selbstbestimmung von Frauen – wieder im Fokus einer breiteren Öffentlichkeit. Die Bürgerinitiative #fairändern, welche von über 61.000 Personen unterschrieben wurde, forderte unter anderem die Einführung einer Bedenkzeit vor einem Schwangerschaftsabbruch, sowie ein Verbot jener Spätabbrüche bei schwerer körperlicher oder geistiger Behinderung des ungeborenen Kindes.

Auch wenn diese Initiative (bisher) ohne Folgen blieb, so ist sie dennoch ein gutes Beispiel dafür, wie kontrovers dieses Thema nach wie vor ist und wie schnell geltende Frauenrechte im Gesundheitsbereich angegriffen werden können. Dabei sollten in einem modernen Staat wie Österreich reproduktive Selbstbestimmungsrechte von Frauen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Diese vermeintliche Selbstbestimmung sieht sich aber nach wie vor mit einigen Hürden konfrontiert. Bei Anliegen wie sicherer Verhütung oder dem Recht auf Abbruch einer bestehenden Schwangerschaft ergeben sich diese in Österreich vor allem auch durch eine hohe finanzielle Belastung.

Viel Auswahl – hoher Preis

Während hierzulande prinzipiell eine Vielzahl von Verhütungsmethoden zu Verfügung stehen, variieren die Preise zwischen den verschiedenen Optionen stark: Neben dem Kondom ist die Pille das bekannteste und am häufigsten genutzte Verhütungsmittel und kostet durchschnittlich 15 Euro pro Packung. Andere hormonelle Verhütungsmethoden wie etwa das Verhütungspflaster und der Verhütungsring bewegen sich in einer Preisspanne von etwa 18 bis 20 Euro pro Monat. Gerade für Frauen mit geringem Einkommen und junge Mädchen stellen diese monatlichen Ausgaben eine große finanzielle Herausforderung dar.

Wer sich nicht regelmäßig um Verhütung Gedanken machen will, kann sogenannte Langzeit-Verhütungsmittel nutzen, denn diese wirken (je nach Verhütungsmittel) nach einmaligem Einsetzen zwischen drei und fünf Jahre. Neben hormonellen Mitteln, wie etwa der Hormonspirale oder dem Hormonstäbchen, gibt es auch nicht-hormonelle Varianten wie beispielsweise die Kupferspirale. Doch auch hier wirken die hohen Preise abschreckend: So kostet das Hormonstäbchen ca. 300 Euro, verschiedene Arten der Spirale sogar bis zu ca. 500 Euro.

Auch ein Blick auf die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch zeigt, dass diese Entscheidung einem Luxusgut gleichkommt: Die Preise für diese bewegen sich, je nach Art der Methode (medikamentös oder chirurgisch), zwischen ca. 500 und 600 Euro. Diese Kosten trägt die Sozialversicherung nur in Fällen, in denen ein Abbruch aus medizinischen Gründen nötig ist. Auch die genannten Kosten für Verhütungsmittel müssen selbst getragen werden, diese werden vom österreichischem Gesundheitssystem nicht subventioniert.

Ein Blick über den Tellerrand…

Dabei zeigt der Blick auf andere europäische Länder ein ganz anderes Bild: So sind etwa in Großbritannien Verhütungsmittel über das nationale Gesundheitssystem kostenlos verfügbar, und auch die Kosten für Schwangerschaftsabbrüche werden getragen. In den Niederlanden werden Kosten für Verhütungsmittel für jugendliche Mädchen von der Krankenversicherung übernommen. In Schweden fällt nur eine geringe Gebühr für Schwangerschaftsabbrüche an.

Warum gibt es also in Österreich keine ähnliche finanzielle Unterstützung? Denn dass die Nachfrage nach kostengünstigem Verhütungsmittel vorhanden ist, zeigen Ergebnisse aus dem aktuellen Verhütungsreport 2019. Demnach ist der Wunsch nach kostenloser Verhütung bei Frauen in Österreich hoch. Außerdem sagen 56% der Befragten, sie würden eine Langzeit-Verhütungsmethode wählen, wenn die Krankenkasse die Kosten übernehmen würde. In diesem Zusammenhang ist jedenfalls eine Dienstleistung der ÖGF (Österreichische Gesellschaft für Familienplanung) nennenswert: Diese bietet einkommensschwachen Frauen das Setzen der Kupferspirale für 75 Euro an (Beratungsstellen gibt es aber nur in Wien und Niederösterreich).

Was tut die Politik?

Sexuelle sowie reproduktive Selbstbestimmung ist schließlich von konkreten frauen- und geschlechterpolitischen Zielen abhängig. Allerdings müssten sich politische Akteure auch klar hinter diese stellen. Im aktuellen Programm der Türkis-Grünen Regierung wird etwa die Verbesserung von Frauengesundheit genannt, ob hierfür konkrete Maßnahmen folgen, wird sich aber erst zeigen.

Ein kostenfreier bzw. kostengünstiger Zugang zu Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen wäre ein wichtiger Schritt für die Sicherstellung dieser Selbstbestimmung. Ansonsten bleiben sichere Verhütung und reproduktive Entscheidungsfreiheit in Österreich weiterhin Luxusgüter.

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