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Sexkolumne. Willkommen am CaFétisch

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Wir haben jetzt also auch eine Sexkolumne. Warum? Sind wir ehrlich, wir vermissen Dr. Sommer. Die Zeit, als wir heimlich versucht haben, herauszufinden, wie das eigentlich funktioniert mit Flirten, Sex und Liebe. Dann sind wir mehr oder weniger erwachsen geworden. Sex ist nicht weniger interessant, nur viel komplizierter geworden. Also versuchen wir, alle zwei Wochen herauszufinden, was Sex für Menschen der Generation Y bedeutet: aus allen Blickwinkeln und schonungslos offen. Willkommen am Cafétisch.

Titelbild: (c) Hannah Haase

Alle haben Sex. Allein, zu zweit, zu dritt. Alle schauen Pornos. Alle sind verliebt, oder auf der Suche nach Liebe, oder glückliche Singles. Alle haben alles ausprobiert. Alle tindern. Alle denken ans Heiraten und Kinderkriegen. Alle sind aufgeklärt. Alle sind tolerant. Alle reden darüber, alle kennen sich aus. Alle haben zu viel Sex. Oder zu wenig. Alle?

Die eine Art und Weise, wie diese Generation Sex hat, gibt es nicht. Definieren wir Liebe anders als noch unsere Eltern? In einigen Punkten sicher. Sind wir prüder oder freizügiger geworden? Beides. Sind wir offener, aufgeklärter und freier als Generationen vor uns? Bestimmt. Doch trotz sexpositiver Haltung braucht es an allen Ecken und Enden mehr Toleranz. Wir tun uns manchmal schwer, offen über unsere Sexualität zu reden oder wollen es vielleicht auch einfach gar nicht. Wir sind zur Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen bereit, aber trauen uns nicht wirklich. Uns werden Etiketten aufgedrückt, über die wir uns identifizieren, mit denen wir uns manchmal aber auch unwohl fühlen. Wir sind selbstbewusst und selbstbestimmt, sagen deutlich was wir wollen und was nicht. Aber wir sind auch verunsichert, haben Komplexe und Ängste. Wir sind durch die Zeit unseres Großwerdens in den Topf einer Generation geworfen, aber Liebe und Sex brauchen mehr Perspektiven als ein gemeinsames Geburtsdatum.

Generation Porno?

„Oversexed and underfucked“ ist wohl das meistgebrauchte Schlagwort, wenn es darum geht, unseren Zugang zu Sex zu beschreiben. Sexualität ist überall, lässt sich gut verkaufen und dominiert unser Leben von Popkultur bis Pornografiekonsum. Trotzdem gehen Studien davon aus, dass wir wesentlich weniger Sex haben als unsere Eltern. Uns wird kollektive Einsamkeit zugeschrieben, die sich nicht durch sportlich betriebenes Swipen auf Tinder beheben lässt. Durch die übermäßige Sexualisierung unseres Alltags sind wir unter Performancedruck. Durchschnittlich ist oft nicht gut genug, es muss mehr sein, krasser, ausgefallener. Unsere Ansprüche und die Vorstellung einer sexuell befreiten Welt können frustrierend sein oder das tatsächliche Erlebnis dann so ernüchternd, dass wir die Sache mit Liebe und Sex lieber gleich bleiben lassen. Einfach ist es nicht. Aber das war es wahrscheinlich ohnehin nie und muss es auch gar nicht sein. Sex ist kompliziert und ambivalent. Liebe ist herausfordernd und anstrengend. Wir müssen nicht alles auf wenig komplexe Erklärungsmuster reduzieren, und wir müssen auch nicht immer alles verstehen.

Treffen wir uns am CaFétisch

Wir wissen nicht, wie unsere Generation vögelt. Aber wir wollen es herausfinden. Denn Sex ist nicht gleich Sex, Liebe nicht gleich Liebe. Alle zwei Wochen laden wir euch deshalb ein, an unserem virtuellen CaFétisch Platz zu nehmen. Wovon wir bei diesem Kaffeekränzchen erzählen? Von Sex und Liebe aus allen möglichen Blickwinkeln. In dieser Kolumne sammeln wir Erfahrungen, sich abwechselnde Redakteur*innen flüstern Bettgeschichten und posaunen frech heraus, was dabei wichtig erscheint. Mal so, mal ganz anders. Es kann dreckig werden, vielleicht ein bisschen pervers. In jedem Fall aber total normal.


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