Die Klimakrise zwingt immer mehr Menschen zur Flucht

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Die Auswirkungen des Klimawandels beschränken sich in keinem Fall – und werden es auch in Zukunft nicht – auf eine Region unseres Planeten. Doch sie machen sich auch heute schon in verschiedenen Teilen der Welt unverhältnismäßig stark bemerkbar. So sind manche Länder aufgrund verschiedenster geografischer und ökonomischer Hintergründe stärker von den Folgen betroffen als andere. Zu allem Übel scheint sich immer klarer ein verheerendes Bild abzuzeichnen: Es sind gerade jene Länder, welche am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, die am meisten unter seinen Folgen leiden werden.

Schon heute sind es 20 Millionen Menschen, die aufgrund von Umweltproblemen auf der Flucht sind. Laut einer von Greenpeace veröffentlichten Studie, könnten bis zum Jahre 2040 bereits 200 Millionen Menschen in Folge der klimatischen Bedrohungen dazu gezwungen sein, zu fliehen und ihre Heimat zu verlassen. Diese stammen vorwiegend aus den ohnehin schon armen Ländern des globalen Südens. Vermehrt muss hierbei jedoch die kontroverse Frage gestellt werden: Wohin?

Zusammenspiel zahlreicher Probleme

Konkret lassen sich als Folge der Klimakrise verschiedenste Umweltkatastrophen beobachten. Sie reichen von Stürmen und Überflutungen bis zu Dürreperioden und dem Schmelzen von Gletschern. Das hat weiters Einfluss auf die Agrarwirtschaft, Trinkwasserversorgung und den Zugang zu überlebenswichtigen Ressourcen der jeweiligen Länder. Parallel dazu steigt der Meeresspiegel rasant an und sorgt für Überschwemmungen, welche das Leben in vielen Regionen vehement erschweren.

Infolge dessen werden viele Teile der Welt zunehmend unbewohnbar und es entstehen massive Fluchtbewegungen. Dies geschieht einerseits aufgrund der ökologisch erzeugten Bedrohungen, aber auch aufgrund der Verschärfung bereits bestehender Gefahren innerhalb der Staaten, wie Kriege oder Konflikte um Ressourcen. Die Klimakrise vervielfacht somit bereits existierende soziale, politische und ökonomische Konfliktlinien.

Obendrein zeigt sich, dass eine große Zahl an Flüchtlingen selbst ein erschwerender Faktor für die ohnehin schon bedrohte Umwelt sein kann. So können beispielsweise Lebensmittel- und Ressourcenknappheiten in Flüchtlingslagern entstehen, welche die umliegende Natur durch Abholzungen, Überfischung und andere Eingriffe zusätzlich belasten.

Hinzu kommt außerdem, dass es rechtlich gesehen den Begriff eines „Klimaflüchtlings“ eigentlich gar nicht gibt, noch immer nicht. Dies erschwert die Einführung internationaler Regelungen für den Umgang mit den bedrohten Menschen zusätzlich.

Der Fall Kiribati

Der Inselstaat im Pazifik gilt seit Jahren als überdurchschnittlich stark von der Klimakrise bedroht. Im Klimawandel sind es besonders Inselstaaten und tief liegende Regionen, welche durch den Anstieg des Meeresspiegels in Gefahr geraten. Damit wird es immer unmöglicher, dort zu leben. Zusätzlich wird das Trinkwasser der Einheimischen dieser Regionen zunehmend versalzen und damit ungenießbar. Es wird geschätzt, dass Kiribati in gerade einmal 50 Jahren vollständig unter der Meeresoberfläche verschwunden sein wird. Obendrein zählt die ehemalige britische Kolonie auch noch zu den ärmsten Ländern der Welt.

Auf der Suche nach Lösungen wurde schon oft diskutiert, die Bürger*innen des Staates auf die nahe gelegenen Fidschi-Inseln oder nach Neuseeland umzusiedeln. Vor einigen Jahren wurde deshalb von der Regierung Kiribatis ein Bereich auf Fidschi gekauft, um, wenn der allerschlimmste Fall eintreffen sollte, den Lebensmittelpunkt der Bewohner*innen des Inselstaates dorthin zu verlegen. Dies scheint zwar wie eine angemessene Lösung, bis man sich in die Rolle eines Kiribatiers oder einer Kiribatierin hineinversetzt. Der Gedanke seinen Wohnort in wenigen Jahrzehnten aufgeben zu müssen und dadurch nicht nur das Heimatland sondern auch kulturelle Errungenschaften zu verlieren, ist unvorstellbar.

Die Frage der Klimagerechtigkeit

In Anbetracht der Situation Kiribatis und anderer armer Länder des globalen Südens, welche unter den Folgen der Klimakatastrophe bereits heute immens zu leiden haben, gilt es, die Schuld der westlichen Industriestaaten ins Auge zu fassen.

Denn die Benachteiligung der „Entwicklungs“ (-und Schwellenländer) im Kampf gegen die Klimakrise hat nicht unbedingt nur geografischen oder ökologischen Ursprung. Hierbei geht es um die Verantwortung der Länder des globalen Nordens . Diese sind, unter anderem aufgrund der kolonialistischen Vergangenheit, nicht gerade unschuldig an der heutigen ökonomischen Situation und der damit einhergehenden Unfähigkeit vieler ärmerer Länder, auf den Klimawandel zu reagieren.

Abgesehen davon sollte uns auch bewusst werden, dass die Lebensweise unserer westlichen Gesellschaften nicht nur zur ökologischen Krise und der Ausprägung der Folgen des Klimawandels beiträgt. Es muss uns klar werden, dass sie auch maßgeblich auf der Ausbeutung und der damit fortschreitenden Verarmung der Länder des globalen Südens beruht. Wie gerecht kann eine Welt sein, in der reiche Nationen ihren Wohlstand auf dem Rücken jener ausleben, die eigentlich Schutz am meisten benötigen würden?

In der Behandlung der Klimakrise kann und wird es nicht ausreichen, diesen alten Mustern des neoliberalen Kapitalismus blind weiter zu folgen. Es müssen auf internationaler Ebene klare Vorgaben und Gesetze geschaffen werden. Diese müssen eine gerechte Klimapolitik für alle Menschen unseres Planeten ermöglichen und nicht genau jene den Gefahren aussetzen, die am wenigsten für die zunehmenden Bedrohungen verantwortlich sind. Nur so wird es möglich sein, mit den Millionen an schutzbedürftigen Flüchtlingen umzugehen, welche in den nächsten Jahrzehnten in den westlichen Ländern Zuflucht suchen werden, weil ihre Heimat schlicht und ergreifend nicht mehr bewohnbar sein wird.  Zudem sollte auf keinen Fall auf die Idee einer Abschottung gesetzt werden, die im Zuge der Diskussion um eine „Festung Europa“ vor allem von politisch rechter Seite immer wieder instrumentalisiert wird. Falls es schon nicht möglich sein sollte, die viel diskutierten Klimaziele, zu erreichen, sollten wir wenigstens ein gewisses Maß an Solidarität und Menschlichkeit leben.

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