In Afrika verstärkt die Covid-19 Pandemie bereits bestehende Krisen

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Die Corona-Virus Pandemie lässt sich mittlerweile in vielen Ländern der Welt verorten. In Afrika, einem Kontinent, der seit Jahrzehnten unter den Folgen starker Armut und der Belastung durch zahlreiche Krankheiten und Krisen leidet, nimmt sie gerade erst ihren Anfang.

Mittlerweile sind in 54 der 55* offiziell anerkannten Staaten Afrikas Corona-Fälle bestätigt. Die individuellen Fallzahlen innerhalb der einzelnen Nationalstaaten steigen konstant weiter an. Dies geschieht trotz Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen der Regierungen und Hilfsprojekten von Organisationen wie jenen der Vereinten Nationen. Besonders betroffen sind laut dem Report  der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. April, unter anderem Südafrika, Algerien und Kamerun. Zwar lassen sich, wie in vielen europäischen Staaten, auch steigende Zahlen der Genesungen feststellen, doch erscheinen diese bei den weiteren Entwicklungen eher wie ein Tropfen auf den ohnehin schon heißen Stein.

Neben weit verbreiteter Armut, Hunger und politischen, wie gesellschaftlichen Krisen, gibt es auf dem Kontinent seit Jahrzehnten immer wieder Fälle von Krankheiten wie Ebola und Malaria. Diese nehmen die sowieso schon schwachen Gesundheitssysteme beinahe gänzlich in Anspruch. In vielen ostafrikanischen Staaten herrscht zurzeit zusätzlich eine der stärksten Heuschreckenplagen seit Jahren, welche allein schon schwer in den Griff zu bekommen ist. Zu allem Übel kommt nun eine Pandemie hinzu, die selbst die westlichen Staaten des globalen Nordens gesundheitspolitisch und ökonomisch stark zu überlasten scheint.

In jüngster Zeit wurde öfter argumentiert, Afrika könnte aufgrund seiner großteils jungen Bevölkerung weniger Fälle sehen als der Rest der Welt. Dies scheint zwar wie ein Hoffnungsschimmer, ist nur leider nicht unbedingt richtig. Ein großer Teil der afrikanischen Bevölkerungen leidet an Vorerkrankungen, die in Kombination mit dem Virus im schlechtesten Fall sogar genau das Gegenteil zur Folge haben könnten.

Begrenzte Ressourcen

Die große Anzahl weit verbreiteter Krankheiten verbunden mit begrenzten Test-Ressourcen in afrikanischen Staaten, macht es oft schwierig, die Erkrankung einzelner Personen zu identifizieren. Auch an Schutzausrüstung für medizinisches Personal mangelt es in Afrika. Durch den Ausfall von Flügen und Einreisestopps in zahlreiche Länder wird dieser Umstand noch weiter verstärkt. Von den dringend notwendigen Ressourcen sind trotz Hilfsmaßnahmen mit jedem weiteren Tag weniger und weniger vorhanden.

Überschattung anderer Krankheiten

Ein weiteres Problem ist die Gefahr, dass der Fokus auf Covid-19 die Behandlung anderer Krankheiten überschattet. Die Auswirkungen von Seuchen, die den Kontinent schon länger belasten, könnten in Folge noch schlimmer werden. Es könnte zu Unterbrechungen bei Immunisierungs- und Impfprozessen kommen und Erfolge im Kampf gegen andere Krankheiten nichtig machen.
Die WHO appellierte aus diesem Grund vor einigen Tagen an die Staaten Afrikas, trotz der weitläufigen Überlastung der Gesundheitssysteme, die weiterhin existierenden Behandlungen auf keinen Fall aufzugeben und so gut wie möglich weiterzuführen. In Bezug auf Malaria im Sub-Sahara Gebiet warnen die Vereinten Nationen beispielsweise eindringlich, die bisherigen Behandlungen nicht auszusetzen, um einen verheerenden Anstieg an Toten abzuwenden.

Das Verhältnis zwischen der Covid-19 Pandemie und den schon länger verbreiteten Krankheiten innerhalb Afrikas könnte wohl als wechselseitig bezeichnet werden. Es wirkt beinahe so, als ob sie gegenseitig ihre negativen Seiten verstärken und die jeweilige Behandlung und Eindämmung nur noch mehr erschweren würden.

Zeitpunkt für eine globale, internationale Zusammenarbeit

Was der Kontinent jetzt braucht, ist die aktive Unterstützung der westlichen Industriestaaten. Denn das Corona-Virus ist eine globale Bedrohung –  es macht keineswegs vor nationalstaatlichen Grenzen halt und kann nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst werden. Afrika sollte in dieser, wie auch in zukünftigen Krisen, nicht sich selbst überlassen werden.

In den nächsten Jahrzehnten werden durch die Auswirkungen des Klimawandels zahlreiche neue Krisen auf die globale Gemeinschaft zukommen. Diese werden ebenso wenig auf nationaler Ebene gelöst werden können, sondern einer internationalen Zusammenarbeit bedürfen. Die zurzeit herrschende Pandemie könnte nicht nur als eine der ersten Übungen, sondern vielleicht sogar als ein tatsächlicher Einstieg in eine neue globale, nachhaltige Kooperation in der Bewältigung von Bedrohungen und Krisen dienen, die uns weltweit alle betreffen werden.


* Stand 5.5.2020

 

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