Plattenschau | HammerFall – Dominion

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Albumcover Dominion

HammerFall – Dominion (Napalm Records 2019)
Power Metal / Heavy Metal | Schweden


Die schwedischen Power-Metal-Altspatzen HammerFall haben sich am 16. August mit einem neuen Album zurückgemeldet: Dominion. Seit ihrem Debüt Glory to the Brave (Nuclear Blast, 1997) hat die Band in regelmäßigen Abständen durchwegs gute Platten veröffentlicht, die die Herzen der Fans höher schlagen ließen, und sind nun bei Album Numero 11 angekommen. In diesem Review werde ich euch verraten, was ich von der neuen Scheibe halte und ob Hector (das Bandmaskottchen) seinen Hammer noch stolz gen Himmel streckt, oder ob der Hammer nur noch traurig und kraftlos nebenher geschleift wird.

„Hammer high until I die!“

Mit dem Lied „Hammer High“ (Hammer High official music video), aus dem diese Zeile stammt, hatten HammerFall auf ihrem 2016er Album Built to Last (Napalm, 2016) gezeigt, dass sie es noch drauf hatten, einprägsame Metalhymnen zu schreiben. Doch obwohl es neben „Hammer High“ auch noch andere Highlights gab, schwächelte das Album insgesamt ein bisschen und stellt daher (obwohl es keine schlechte Scheibe ist) für mich die schwächste HammerFall-Platte dar. Auch der Vorgänger von 2014 (r)Evolution (Nuclear Blast, 2014) kam trotz Perlen, wie „Hector’s Hymn“ (Hector’s Hymn official music video) und „Origins“, nicht an ihre vorigen Werke heran. Daher war ich etwas in Sorge, ob sich bei der Qualität ihrer Studioarbeit vielleicht wirklich ein Abwärtstrend abzeichnen würde und erwartete die erste Single von Dominion mit gemischten Gefühlen.

Ergebnis? Alles gut gegangen.

Tatsächlich verunsicherte mich die erste Single „(We Make) Sweden Rock“ ((We Make) Sweden Rock official music video) zwar ein wenig, denn trotz richtig coolem Musikvideo (dazu später mehr) konnte mich diese Lobeshymne auf die schwedische Hard-Rock- und Metal-Szene nicht sofort mitreißen. Als ich dann aber die zweite Singleauskopplung „Dominion“, den titelgebenden Track, hörte, war ich beruhigt. Nein, eigentlich begeistert! Das waren die HammerFall, in deren Musik ich mich vor Jahren verliebt hatte! Auch nachdem die dritte Single „One Against the World“ veröffentlicht wurde, brach meine Begeisterung nicht ab und ebenso setzte es sich fort, als ich letzten August Dominion endlich in Händen hielt und mir die Platte (bzw. CD) genüsslich auflegen konnte. Tatsächlich zauberte mir das Album vom ersten Ton weg ein breites Grinsen ins Gesicht und überzeugte mich davon, dass hier von Abwärtstrend überhaupt keine Rede sein kann. Die Herren Joacim Cans (Gesang), Oscar Dronjak (Gitarre), Pontus Norgren (Gitarre), Fredrik Larsson (Bass) und David Wallin (Schlagzeug) machen Ruf und Namen ihrer Band alle Ehre und lassen den Hammer so richtig auf den Amboss fallen. Dementsprechend habe ich mir dies vorzüglich Werk noch etliche weitere Male zu Gemüte geführt, um es einmal auf mich wirken zu lassen und es ein anderes Mal kritisch zu analysieren. Meine Gedanken, Ideen und Bewertungen gepaart mit kleinen interessanten Details sollen daher im Folgenden kurz und bündig zusammengefasst werden (damit das hier nicht allzu sehr ausartet). Wem das trotzdem zu lang ist, soll einfach zur Conclusio springen.

Dominion track by track

  1. Der Album-Opener „Never Forgive, Never Forget“ startet flott und macht sofort Laune. Auch wenn die Refrainmelodie so ihre Schwächen hat, gefällt mir hier besonders das Drum-Pattern aus Strophe und Refrain, das mich stark an das Schlagzeug-Intro von „Heeding the Call“ erinnert (eines der geilsten Lieder, die ich kenne).
  2. Weiter geht’s mit dem namensgebenden, zweiten Track „Dominion“, der mit einem richtig fetten Heavy-Metal-Riff im Midtempo und einem mitreißenden, hymnischen Refrain definitiv eines der besonderen Gustostückerln des Albums darstellt. Fun fact: Im Musikvideo (Dominion official music video) begegnen wir der Band vor einem (mittelmäßig animierten) dämonischen Publikum und dürfen das ganze Video lang dem Erscheinen Hectors entgegenfiebern, der dann eigentlich nur in seinen Umrissen zu erkennen ist (irgendwie schade).
  3. Beim nächsten Lied „Testify“ zeigen HammerFall ihre rauere Seite und erinnern in der Strophe mitunter an Judas Priests Painkiller (CBS, 1990) – Album. Richtig krasser Scheiß.
  4. Knackiges Riffing, ein getragener, hymnenhafter Refrain. „One Against the World“ (One Against the World official live video) reiht sich hier perfekt ein, kann aber nicht mit „Dominion“ und „Testify“ mithalten.
  5. Und nun mehr zu „(We Make) Sweden Rock“. Meine erste Beurteilung war vielleicht meiner distanzierten Erwartungshaltung geschuldet, denn nach wiederholtem Hören gefiel mir die Nummer immer besser. Der Liedtext zollt schwedischen Hard-Rock- und Heavy-Metal-Bands Tribut (Anspielungen auf Bands und Liedtexte, siehe Spotify playlist We Make Sweden Rock), die auch im Musikvideo gezeigt werden (u.A. Yngwie Malmsteen, Europe und Sabaton). Inzwischen bin ich mir sicher, dass „(We Make) Sweden Rock“ eine klasse Live-Hymne abgeben und ins Standardrepertoire von HammerFall eingehen wird.
  6. Wir kommen nun zur standardmäßig üblichen Power-Ballade, die sich hier allerdings als wirklich wunderschönes Lied entpuppt. „Second to One“ kommt weder kitschig noch nervig rührselig rüber, sondern berührt einfach nur.
  7. Mehr Speed und schnelle, melodische Gitarrenläufe begegnen uns in „Scars of a Generation“, das zuweilen an die frühen Platten erinnert. Trotzdem fehlt das gewisse Etwas.
  8. Mein persönlicher Favorit „Dead by Dawn“ zeigt wiederum mehr Einflüsse aus dem klassischen Heavy Metal, die wir seit No Sacrifice, No Victory (Nuclear Blast, 2009) und dem Einstieg von Pontus Norgren, der bei diesem Lied auch mitgeschrieben hat, beobachten können. Gitarrenriff und Refrain hauen mich einfach um. Könnte übrigens der Lyrics über das Ouija-Brett eventuell von einem Film inspiriert sein?
  9. „Battleworn“ – Intro zu „Bloodline“
  10. Spannenderweise handelt es sich bei „Bloodline“ um eine Premiere. Die Schweden präsentieren uns hier nämlich ihre erste Nummer, die sich um nordische Mythologie dreht. Während man diese bei anderen Bands zuhauf finden kann (z.B. Amon Amarth), geht’s bei HammerFall meistens eher um den üblichen Fantasy-Metal-Kram, aber auch Liebesgeschichten und andere mehr in der Realität verwurzelte Geschichten. Musikalisch prägt den Track Geschwindigkeit und ein zu Odin, Asgard und Co. passender, epischer Refrain mit mehr Eingängigkeit als „Scars of a Generation“.
  11. Zu „Chain of Command“ braucht man nicht viel sagen, Riff und Refrain passen. Allerdings fällt die Bridge auf: Wie hoch kann Joacim Cans mit seinen Ende 40 bitte noch singen?!
  12. Zum Abschluss bekommt der Hörer in „And Yet I Smile“ Epik in der Strophe und ein bisschen rührseligen Hymnen-Kitsch im Refrain im Stil von „Wir halten uns alle in den Armen und singen unser Lied“. Tut nicht weh, bringt das Album zu einem guten Abschluss und ist sicherlich eine tolle letzte Zugabe beim Konzert, bevor alle Zuschauer ihre liebe, große Metal-Familie wieder verlassen müssen.

We will prevail

Alles in allem ist HammerFall mit Dominion wirklich ein gutes Album gelungen, hinter dem sie sich nicht verstecken brauchen. Natürlich hat es auch seine Schwächen, aber kaum Platten kommen wirklich an ein 10/10-Rating ran. Dominion wartet mit eingängigen und mitreißenden Liedern auf, es finden sich schnelle, klassische Power-Metal-Nummern genauso wie starke straight forward Riffs, die an den Heavy Metal der 80er angelehnt sind, und auch die HammerFall-typischen mehrstimmigen, klassisch beeinflussten Gitarrensoli. Die Lyrics kann man vielleicht bemängeln, aber im Power Metal rechnet man auch nicht unbedingt mit besonders tiefsinnigen Texten. Dazu kommt ein richtig geiles Coverartwork, das die Rückkehr von Samwise Didier (Blizzard Entertainment, u.a. Artwork für World of Warcraft) markiert, der schon 2002 bis 2009 die Albencover von HammerFall gestaltete. Hector hat unter ihm eine spannende Entwicklung durchgemacht und neben Flügeln jetzt auch noch Teufelshörner bekommen, was sich auf den Text von „Dominion“ bezieht.

Zusammengefasst macht Dominion wirklich Spaß beim Hören, das Album ist wirklich der Hammer, um nicht zu sagen hammergeil (kleiner Witz am Rande) und entfacht bei mir bereits große Vorfreude auf mein nächstes HammerFall-Konzert. Am 22. Februar 2020 im Wiener Gasometer (Tickets hier!) werde ich auf jeden Fall dabei sein und auf die Vorgruppen Battle Beast und Serious Black freu‘ ich mich auch schon. Vielleicht wird ja jemand von der Leserschaft auch dort sein?


Favourite Tracks: „Dead by Dawn“, „Testify“, „Bloodline“
Least Favourite Tracks: „Never Forgive, Never Forget“, „Scars of a Generation“, „And Yet I Smile“

7,8/10

HammerFall Dominion auf Spotify

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