Wodka Soda auf Eis

Und jetzt? #1 Moby Dick

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Und jetzt? Auf ins Moby Dick. Wie so oft sind wir auf der Suche nach neuen Lokalen, Bars oder Veranstaltungen in Wien. Diesmal hat es uns in eine Cocktailbar in der Neustiftgasse, 1070, verschlagen.

Wir kommen hinein ins Moby Dick, dunkle Beleuchtung, Kerzen, Hochsitze mit Lederbänken. Eine kleine, schummrige Bar – stellt man sich so den Bauch eines Walfisches vor? Ein Kellner kommt direkt auf uns zu und bietet uns einen Tisch an, wir entscheiden uns jedoch klassisch für die Bar und lassen uns die Cocktailkarte geben. Es wird uns ein Wasserglas hingestellt, Nüsse kommen dann mit den Drinks dazu. Einmal Bussi Baby und Basil Babo – wir wählen füreinander aus, ein Wodka Soda aus Tradition sowieso dazu.

Sammy Walfisch, Inhaber und Leiter der Bar, ist da, um ein Gespräch mit uns zu führen.


Was gibt es bei dir in deiner Bar?

Cocktails und Essen. Wir haben einen Raum geschaffen, der ganz klar als Cocktailbar wahrgenommen wird, bei dem der Fokus auf Drinks liegt, dabei aber hochwertige, innovative und spannende Menüs kreiert werden. Jeden Monat bieten wir fünf Speisen an. Täglich gibt es außerdem eine Chefs Choice, drei Gerichte, die mit drei Shorted-Drinks serviert werden. Man weiß also nicht was man bekommt. Raumkonzept, Raumstimmung, Musik sind angelehnt an unsere erste Cocktailbar, das Botanical Garden. Eigentlich haben wir durch das Moby Dick das Botanical Garden noch einmal gebaut, nur feiner und hochwertiger.

Du sprichst in der Wir-Form. Wer sind „Wir“?

Eigentlich ist es das königliche „Wir“. Ich betreibe die Bars, aber habe ein Team, mit dem ich schon länger zusammenarbeite, das in manchen Bereichen auch in der Planung involviert ist. Marcel Katzer ist Bar-Chef in Ausbildung. Die Küche habe ich zusammen mit Max Hauf geplant, er ist Küchenchef.

Erzähl uns von deiner gastronomischen Geschichte.

Ich habe meine gastronomische Lehre 1999 abgeschlossen und seitdem in Bars und Clubs gearbeitet. 2011 wurde ich selbstständig, habe vorerst Cocktail-Caterings gemacht. 2015 eröffneten wir das Botanical Garden, im August 2019 das Moby Dick.

Warum sollten wir in deine Bar gehen? Was zeichnet deine Bar aus?

Mein Wunsch an unsere Gäste ist ein Interesse an spannender und authentischer Gastronomie. Der Grund, warum momentan viele Leute kommen, ist, weil wir aktuell in einigen Magazinen genannt wurden – also eine sogenannte Trendkarawane, die natürlich auch herzlich willkommen ist.

Was bestellst du im Moby Dick?

Ganz klar, ich bestelle überall wo ich hingehe Chefs Choice. Wenn ich in ein Lokal hineinkomme und merke, dass es mit Leidenschaft betrieben wird, überlasse ich am liebsten dem Chef die Entscheidung. Um diese Idee anzubieten, haben wir eben dieses Chefs Choice kreiert – ein Menü mit drei kleinen Cocktails und drei Speisen.

Warum der Name Moby Dick?

Moby Dick ist eine fantastische Geschichte und mein Nachname ist Walfisch. Ich wollte die Bar nicht nach mir benennen, aber trotzdem eine kleine Assoziation setzen.

Wenn du etwas an der Bar verändern könntest, was wäre das?

Es wird etwas verändert. Alle Möbel werden herausgerissen und neu gemacht, sie wurden falsch gebaut. Die Sitzbänke zum Beispiel sind sieben Zentimeter zu wenig tief. Wir hatten gewisse Vorstellungen und diese wollten wir so umgesetzt wissen, es muss einfach passen.

Warum gibt es kaum vegetarische oder vegane Speisen?

Wir haben fünf Gerichte, die monatlich wechseln. Sie sind immer unterschiedlich, so kommen auch vegetarische und manchmal auch vegane Speisen auf die Karte. Wir haben ein sehr reduziertes Angebot, weil wir gute Qualität liefern wollen und das konstant auch mit Vollauslastung.

Mit wieviel Geld muss man hier herkommen um mit einem Vollrausch herauszukommen?

Also ich glaube, du kommst hier mit 38 € zu einem guten Rausch.

Gibt es einen Dresscode fürs Moby Dick?

Nein, gibt es nicht. Wir machen keine Selektion. Unsere Gäste sind von Anfang 20 bis über 60, darunter hauptsächlich Frauen.

Aber No-Go’s?

Eigentlich gibt es nur ein No-Go: unfreundlich sein. Das Wichtigste ist für uns, dass auf jeden Fall eine Form des Respekts gelebt wird. Sobald ein Gast unangenehm auffällt, wird er sehr schnell vor die Türe gesetzt. Wenn wir gut gefüllt sind, schließen wir unseren Eingang. Ab dann muss angeläutet werden. Wir wollen nicht, dass es zu voll und dadurch ungemütlich wird. Unser Serviceteam hat somit die Stimmung in der Hand. Wir achten darauf, dass es bei uns locker, angenehm und lustig ist.


Wir bedanken uns für das Gespräch, schlürfen noch ein bisschen an unseren Drinks, beobachten ein wenig das Bargeschehen, das Shaken der Cocktails und das Publikum in der kleinen Bar. Wir sammeln Eindrücke und kommen zu folgendem Schluss:

Die Drinks.

Bis auf das Wodka Soda waren alle Getränke wunderschön und ausgefallen angerichtet. Auch geschmacklich auf jeden Fall mehr als überzeugend. Die Preise stimmen!

Aufs Haus (Dankeschön!) gab es einen Ananas-Gin and Tonic, ein in Ananas destillierter Gin mit hausgemachtem Tonic. Schmeckte einfach wie ein Gin Tonic, mit einer Brise Urlaub.

Zum Wodka Soda: klassisch gut wie immer, leider jedoch mit Ketel One Wodka und leider, leider mit einer abgeriebenen Limettenschale, statt mit einer von uns geliebten, runden, schönen Zitronenscheibe. Limette/Zitrone – vielleicht Geschmacksache, die Schale sollte man sich aber trotzdem für den Drink sparen.

Das Ambiente.

Wie bereits geschrieben, stellen wir uns so den Bauch eines Wales vor. Was aber durchaus nicht negativ ist. Sehr stimmiges Konzept von oben bis unten. Man sucht ein bisschen den Fehler. Charme liegt ein wenig doch auch in der Imperfektion. Trotzdem muss man sagen, für eine Cocktailbar durchaus gemütlich und geheimnisvoll.

Das Personal.

Zuvorkommend. Höflich. Freundlich. Witzig. So soll es sein.

Fazit.

Uns fehlt ein bisschen das gewisse Etwas. Alles passt. Alles ist super. Und vergeblich suchen wir ein bisschen nach dem Haken, der uns in ein Lokal zieht. Wir schließen ab: nichts für jeden Abend. Aber auf einen gehobenen Absacker und erstklassige Cocktails kann man sich durchaus hierher verlaufen. Ein kleines Versteck, wenn man sich verirren will, aber doch nicht zu weit gehen mag.


Moby Dick
Neustiftgasse 26
1070 Wien

Montag bis Donnerstag 18.00-02.00
Freitag und Samstag 18.00-03.00

 

die Gastronomie versteht nur, wer sie gelebt hat

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