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Und jetzt? #stayathome und freu dich vor

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Und jetzt? Abwarten und Vorfreude kaufen. Einiges, was vor zwei Monaten noch Usus war, ist gerade nicht mehr möglich. Auch der Gang in die Stammbar, die Melange im Café um die Ecke und Restaurantbesuche sind derzeit Vergangenheit – aber natürlich irgendwann auch wieder Zukunft. Durch vorfreude.kaufen kann man jedoch einige Lokale unterstützen und die Vorfreude auf einen Besuch nach Abklingen der Krise bereits planen. Mitbegründerin Nina Mohimi hat uns alles über ihre Initiative erzählt.

Erzähl mal: Wer, wie, was ist vorfreude.kaufen?

Vorfreude.kaufen ist eine private Non-Profit-Initiative, die von Sebastian Hofer, Konstantin Jakabb und mir gegründet wurde. Vor ungefähr einem Monat, als die Schließung der Gastronomie gerade begonnen hat und man nicht wusste, wie lange das dauern und was genau passieren wird, haben wir zusammen beschlossen: Wir wollen etwas tun. Dann haben wir vorfreude.kaufen gegründet, eine Initiative, die Gutscheine für die Gastronomie vermittelt.

Wie seid ihr drei in die Gastronomie involviert? Warum ist euch dieses Projekt ein Anliegen gewesen?

Wir sind eigentlich überhaupt nicht in der Gastronomie involviert, wir essen nur gerne (lacht). Wir sind Gäste, haben einfach sehr viele Lieblingslokale und sind oft bei Food-Events dabei.

Wie ist der Ablauf, wenn man einen Gutschein bei euch kaufen will?

Man sucht sich auf unserer Website aus der Lokalübersicht ein Lokal aus. Dann poppt ein Formular auf, wo man Namen, E-Mail-Adresse und den Betrag, den man ausgeben möchte, angibt – das schickt man ab. Das Lokal bekommt daraufhin eine Benachrichtigung, kontaktiert euch über Mail  und informiert über die folgenden Angebote.

Jedes Lokal hat unterschiedliche Möglichkeiten, wie dieser Gutschein gelöst werden kann. So individuell haben wir es absichtlich gelassen, damit alles offen ist und jedes Lokal seine eigenen Prozesse nutzen kann.

Wählt ihr die Lokale aus oder kann jedes Lokal mitmachen?

Am Anfang haben wir viele Lokale angeschrieben – unter anderem unsere Lieblingslokale, wo wir auch den Besitzer kennen. Aber vor allem war uns sehr wichtig, dass wir eine gute Mischung an Lokalen haben und dass für jeden etwas dabei ist. Wir haben vom „Espresso mobil“, eine Art Kiosk auf Rädern, bis zu einem Drei-Sterne-Lokal alles vertreten. Momentan haben wir aber einen Aufnahmestopp. Wir haben, weil wir alle selber keine Programmierer sind, keine Suchfunktion auf unserer Website und es wäre irgendwann zu unübersichtlich geworden. Uns war von Anfang an klar, dass wir nur eine begrenzte Auswahl zu Verfügung stellen können.

Was würde im Fall einer Insolvenz des Lokals passieren? Also wenn das Lokal, für das ich den Gutschein gekauft habe, nach Abklingen der Krise nicht mehr existieren würde?

Grundsätzlich wollen wir mal nicht davon ausgehen, dass das passiert. Uns ist natürlich klar, dass so etwas eintreten kann, doch ist das eben dasselbe Risiko wie bei jedem anderen Gutschein, den man kauft. Nicht nur bei Lokalen – dieses kleine Restrisiko hat man immer, wenn man einen Gutschein erwirbt.

Sind bei dem Projekt ausschließlich Lokale beteiligt oder sind auch andere Branchen vertreten?

Wir vertreten nur Lokale: Also Cafés, Restaurants, Bars und auch Weinhändler. Anfangs haben wir auch überlegt anderen Handel einzubauen –  ist ja nicht so, als würde uns der nicht interessieren – aber unser Schwerpunkt war einfach die Gastronomie. Es war auf jeden Fall leichter, einen Fokus dort zu setzen, wo wir das Netzwerk haben, um uns mediale Aufmerksamkeit und Unterstützung zu holen.

Du hast erwähnt, dass ihr mittlerweile einen Aufnahmestopp habt. Hat das Projekt von Anfang an so gut funktioniert? War der Anlauf groß?

Ja. Sowohl die Gutscheinbestellungen, als auch die Nachfrage auf Lokalseite war sehr, sehr hoch. Grad in den ersten Wochen ist unser E-Mail Eingang explodiert. Fast alle Anfragen, die wir nicht aufnehmen konnten, haben wir an zusammen-leiwand.at, eine sehr ähnliche Plattform, weitergeleitet.

Was sagst du zur voraussichtlichen Öffnung der Lokale ab Mitte Mai?

Natürlich freue ich mich, dass es eine Perspektive gibt und hoffe, dass es auch dabei bleibt. Für uns ist die Arbeit aber noch nicht beendet. Wir planen außerdem eine zweite Phase, mit anderen Ideen. Denn auch wenn Lokale wieder aufmachen können, wird es – solange Betriebe nicht die theoretische Möglichkeit haben, die gleiche Auslastung wie vorher zu erreichen – nach wie vor für viele problematisch sein.

Was ist die 2. Phase, die du angesprochen hast?

Wir arbeiten an ein paar Programmen, die ich aber nicht verraten mag, solange noch nichts feststeht. Grundsätzlich überlegen wir, wie Unternehmen, die bereits unsere Initiative unterstützen, weiterhin helfen können – auch wenn die Lokale wieder öffnen dürfen.

Ihr werdet das Projekt also auch nach der Öffnung der Lokale weiterführen?

Bis zum 15. Mai wird unser Projekt auf jeden Fall weitergehen – wie lange, weiß ich ehrlicherweise selbst nicht. Es gab hinter unserer Initiative nie einen Masterplan. Die Idee war, dass wir es einfach so lange machen, wie es gebraucht wird. Wenn man die Möglichkeit hat, etwas Sinnvolles zu tun, dann – könnte man sagen – muss man es machen. Als hätte man die gesellschaftliche Verpflichtung. Gleichzeitig ist es ja auch schön, wenn man diesen Luxus hat: An andere denken zu können.

Danke Nina, für das schöne Gespräch. Und die schöne Idee, die nicht nur Betriebe unterstützt, sondern auch uns ein wenig Hoffnung schenkt – auf eine Zeit, wo der Aperol-Spritz im Schanigarten, ein SoZi im Café oder ein Wodka-Soda, wo auch immer, wieder möglich ist. Wir freuen uns. #stayathome 

die Gastronomie versteht nur, wer sie gelebt hat

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