Mensch geht eine Straße entlang

VorLaut – Denkt auch mal an was anderes!

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Weil es jede Woche etwas gibt, das nach dem kleinen bisschen Meinung verlangt. Weil wir finden, dass frech und vorlaut immer besser ist als zahm und gefügig. Deshalb gibt unser stellvertretender Chefredakteur Max Bell kurz vorm Wochenende seinen Senf dazu. Er mischt sich ein, überall und immer. Damit wir wissen, was war, was ist und welche Themen ruhig noch ein bisschen (vor)lauter sein dürfen. Diese Woche: Warum die allgemeine Daseinsapathie der Corona-Monate eine Gefahr für die Zukunft darstellt.

Seit Wochen dreht sich unser gesamter Alltag um eine Krankheit. Sie dominiert unser Arbeitsleben, wie wir unsere Freizeit verbringen und die Medienlandschaft sowieso. Dabei fällt man allzu leicht in eine Schockstarre, die einem den Blick über den Virus-Tellerrand verunmöglicht.

Es gäbe aber doch so viel, worüber man sich Gedanken machen müsste. Klimawandel, Krieg und soziale Ungleichheit machen schließlich keine Pause, bloß weil sich jetzt eben auch noch ein Virus in diese schreckliche Liste einreiht.

Wir wissen um diese Probleme. Warum fällt es uns im Moment aber so schwer, an etwas anderes als Corona denken? Zum einen liegt das sicher daran, dass wir Angst haben – die ja bekanntlich jeden guten und vor allem jeden kritischen Gedanken lähmt. Sie ist es auch, die viele ansonsten sehr wachsame Geister bei der zweifelhaften Beziehung, die Bundeskanzler Sebastian Kurz zum Verfassungsrecht pflegt, nicht sofort aufschreien lässt. Wir sorgen uns darum, die zu sein, die die Handlungsfähigkeit der Regierung einschränken wenn wir „zu kritisch” werden, vielleicht nicht zu einem „Team Österreich” gehören wollen oder eben Probleme ansprechen, die außerhalb der Corona-Krise zu verorten sind.

Einen nicht weniger wichtigen Faktor stellt Aufmerksamkeitsökonomie dar. Wir haben schließlich nur beschränkt Kapazität für Auseinandersetzung und wenn der gesellschaftliche Diskurs uns gewissermaßen dazu zwingt, uns mit nichts als dem Virus und seinen Folgen zu beschäftigen, bleibt wenig Platz für anderes. 

Für einige ist die Krise aber auch ein willkommener Anlass, um auf vorhandene Missstände hinzuweisen, die durch Corona besonders sichtbar geworden sind. So plant Spanien im Zuge der Maßnahmen gegen Massenarmut ein lebenslanges Grundeinkommen einzuführen und will dieses auch nach Bewältigung der Krise beibehalten. 

Probleme wie die Klimakrise lassen sich nicht so leicht mit der Coronakrise verknüpfen. Um aber zu einer echten Normalität zurückkehren zu können, müssen wir wieder lernen auch Gedanken zu formulieren, die mit Corona nichts zu tun haben. Wir dürfen uns von der Pandemie nicht den Blick auf die anderen großen Probleme unserer Zeit verstellen lassen, denn sie schlafen nicht und haben weitreichende Folgen. 

Da uns Corona wohl noch länger begleiten wird, können wir es uns nicht leisten, erst nach dem Sieg über die Seuche aus einem Dornröschenschlaf zu erwachen. Für vieles könnte es dann nämlich zu spät sein.

Comitted to the best obtainable version of the truth.

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