Mira Roedluvan

#sinnfluencer – Interview mit Mira von Roedluvan

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Dass ein nachhaltiges Leben weder langweilig ist, noch bedingungslose Aufopferung bedeutet, macht die Steirerin Mira Nograsek vor. Bereits seit 2009 gibt es ihren Blog Roedluvan, auf dem sie seit 2014 ihre Gedanken zu nachhaltiger Mode und langsamen Reisen, sowie vegane Rezepte teilt. Warum Umweltbewusstsein ihr so wichtig ist, verrät sie im Gespräch mit wolfgang.

Woher kommt der Name deines Blogs?

Roedluvan habe ich mir mit 19 überlegt, da habe ich eine Leidenschaft für Schweden entwickelt. Mir hat das Wort gut gefallen, es bedeutet Rotkäppchen. Es hat aber keine tiefere Bedeutung, ich wollte einfach einen schwedischen Namen haben.

Du bezeichnest dich als Sinnfluencer. Was verstehst du unter dem Begriff?

Ich habe das zum ersten Mal gehört im Zusammenhang mit einer Gruppierung von mehreren Sinnfluencern. Wir haben uns vor einem Jahr getroffen, uns ausgetauscht und damals das erste Mal das Wort für uns benutzt, auch wenn es das bestimmt schon vorher gegeben hat. Wir wollten eben keine Influencer sein, keine klassischen Werbeträger, sondern etwas anderes mit unserer Reichweite ausdrücken.

Inwiefern beinhaltet der Begriff eine Kritik an „normalen“ Influencern?

Das soll keine Kritik anderen gegenüber sein, aber was ich nicht möchte, ist Werbung für unbewussten Konsum machen. Ich möchte Werbung machen für NGOs, für nachhaltige Produkte und einen nachhaltigen Lebensstil. Ich sehe das nicht so, dass ich jemand bin, der einfach andere Leute in dem beeinflusst, was sie kaufen sollen, sondern über ihren Lebensstil nachzudenken.

Warum hast du dich für vegane Ernährung entschieden?

Dazu muss ich sagen: Ich bin nicht 100% vegan. Ich bin so 97% vegan. Für mich war das ein ganz natürlicher Prozess. Ich habe vor acht Jahren meinen Freund kennengelernt, der damals schon Veganer war. Ich war da noch leidenschaftlicher Fleischesser. Dann waren wir einen Monat lang auf Reisen in Mexiko und mein Freund hat immer diese ganz großartigen Tacos bekommen, mit ganz viel frischem Obst und Gemüse. Nach dieser Reise habe ich beschlossen, dass ich aufhören möchte Fleisch zu essen.

Je tiefer ich im Vegetarismus war, desto mehr habe ich mich mit Veganismus beschäftigt und für mich ist es eigentlich die logischste Konsequenz, nachhaltig zu handeln, weil wir einfach durch unsere Ernährung jeden Tag so viel CO2 einsparen und dadurch das Klima schützen können. Ich sehe das nicht so streng, wenn man mal ab und zu ein Ei oder Honig isst, aber ich finde, es ist wichtig zu wissen, wie viel Schaden man verursacht, wenn man viel Fleisch oder viel Milchprodukte zu sich nimmt.

Welche anderen Bereiche betrifft das nachhaltige Leben in deinem Alltag?

Auf jeden Fall den Konsum. Ich habe angefangen meinen Kleiderkonsum komplett umzukrempeln. Ich war früher ein richtiger Shopaholic. Ich habe Anfang zwanzig so viel Kleidung gekauft, dass ich sie mir eigentlich nicht mehr leisten konnte. 2014 war dann das erste Mal, wo ich mich mit fairer Mode auseinandergesetzt habe, das war nach dem Fabrikeinbruch von Rana Plaza. Ich habe einfach zu mir gesagt, dass ich erstmal für ein Jahr nicht mehr bei großen Modeketten einkaufen gehen will. Und das hat so gut funktioniert, dass ich seither eigentlich nicht mehr zurück möchte. Ich kaufe nur noch Second Hand und ab und zu fair produzierte Mode.

Ich habe viel über meinen Konsum nachgedacht und mich mit Minimalismus auseinandergesetzt, um zu schauen, was ich wirklich brauche. Das schwappt in alle Lebensbereiche über. Ich reise leidenschaftlich gern und versuche, mehr Nachhaltigkeit in meine Reisen einfließen zu lassen, egal ob das bedeutet, auf das Fliegen zu verzichten oder mehr in Eco-Hotels zu übernachten, wenn das möglich ist oder eben auch in anderen Ländern regionaler zu essen und nicht meine ganzen Vorsätze über Bord zu werfen, nur weil ich in den Urlaub fahre.

Hast du das Gefühl, dass du auf etwas verzichten musst?

Bei veganer Ernährung habe ich das Gefühl überhaupt nicht. Da setze ich mir auch selbst nicht so strenge Regeln. Wenn ich einmal ein Ei aus dem Garten meiner Eltern esse, dann reicht das auch wieder für fünf Monate. Bei der Mode eigentlich auch nicht, weil es mittlerweile einfach ein riesiges Angebot an fair produzierter Mode gibt und Second Hand Läden überall aus dem Boden sprießen. Ich glaube, am ehesten ist es noch beim Reisen, Stichwort Flugscham. Ich habe es schon geschafft, viele Flugreisen nicht zu machen, die ich gerne gemacht hätte, aber trotzdem zieht es mich immer wieder in die Ferne und das ist schon Verzicht für mich.

Was hältst du vom Minimalismus als Trend? Glaubst du, dass es ein Trend bleibt?

Ich sage immer, Minimalismus ist ein Baustein für Nachhaltigkeit. Wenn man sich mit Minimalismus beschäftigt, fällt ein nachhaltiger Alltag viel leichter, weil man sich vielleicht von Ballast getrennt hat, den man eigentlich nicht braucht und man mehr Raum und Zeit hat für die wichtigen Dinge.

Als Trend, also wie das jetzt z.B. mit Marie Kondo angefangen hat, ist es immer ein bisschen problematisch zu sehen, obwohl es auch verschiedene Ansätze gibt. Bei ihr wurde nicht thematisiert, was mit dem ganzen überflüssigen Zeug passiert. Wird das verkauft, wird es weggeschmissen? Es ist immer noch wichtig, die Dinge wertzuschätzen, die man zuhause hat. Auch wenn man sich von ihnen löst, muss man ihnen einen Wert geben und sie nicht einfach auf einen Müllhaufen schmeißen, sondern sie verkaufen, verschenken oder spenden. Da gibt es so viele Möglichkeiten, die man auch nutzen sollte.

Glaubst du, dass Nachhaltigkeit nur etwas für die obere Einkommensschicht ist? Es gibt den Vorwurf des Elitismus, weil ein nachhaltiges Leben oft auch teuer sein kann.

Da ist die Frage, wer elitär ist und wer nicht. Ich verdiene auch nicht so viel und es ist trotzdem besonders wichtig für mich, gewisse Einschränkungen in meinem Lebensstil zu machen und dadurch auch viel Geld zu sparen, gerade weil ich mich dem Konsum verweigere. Allerdings kann ich sagen: Ja, es ist ein Problem der oberen Schicht, weil die den größten CO2 Ausstoß verursacht und die ihn auch einfach einschränken muss. Natürlich wäre es super, wenn jeder mitanpackt, aber von Menschen, die am Existenzminimum leben, muss man jetzt nicht verlangen, die Welt zu retten.

Was würdest du jemandem raten, der nachhaltiger leben möchte, in welchem Bereich er anfangen soll?

Jeder soll einfach für sich den Ansatz ausprobieren, der für ihn am interessantesten ist. Also entweder beschäftigt man sich mit Ernährung oder mit Konsum; vielleicht schafft man es mal, nicht mehr bei diesen großen Modeketten einzukaufen. Man kann auch ganz anders anfangen und zum Beispiel mal auf Demonstrationen gehen und sich dort mit Gleichgesinnten unterhalten. Oder man geht Müll aufklauben und entsorgt den dann richtig.

Am besten funktioniert es, wenn man mal einen Monat etwas macht und dann schaut, wie es weitergeht. Ich mache zum Beispiel jedes Jahr das Plastikfasten zur Osterzeit. Das ist ein toller Einstieg um zu merken, wie viel Plastik man konsumiert und im Alltag reduzieren kann. Das ist natürlich sehr radikal, aber möglich, wenn man sich die Zeit dafür nimmt und recherchiert. Danach hat man einiges in seinem Leben umgestellt.

Du hast das letzte Wort.

Wenn man sich mit Nachhaltigkeit im Alltag beschäftigen will, dann sollte man sich nicht zu sehr stressen. Es ist wichtig, die Dinge Schritt für Schritt anzugehen, mit einem Thema anzufangen und nicht zu streng zu sein und auch mal Ausnahmen zuzulassen, um dann selbst zu schauen, wo man seinen Lebensstil verändern kann.

Vielen Dank!

Titelbild © Winona Bach


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Aus dem Ruhrgebiet. Studentin der Komparatistik und der Kommunikationswissenschaften.

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