My weeks with Toni Morrison – Pt. 3: Jazz

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Drei Romane, drei Wochen. Toni Morrison gehört zu den wichtigsten Autorinnen der Weltliteratur, sie gewann den Nobelpreis, den Pulitzerpreis und viele weitere Auszeichnungen. Wolfgang macht sich auf zu einer intensiven Leseerfahrung: Beloved, The Bluest Eye und Jazz werden in drei Wochen im Juni verschlungen und hier vorgestellt.

Part 3: Jazz

Jaaaazzzz, diese Musik, die bis ins Mark geht, die ein Grundthema vorgibt, das dann immer wieder aufgegriffen wird, alles bewegt sich darum, in immer neuen Variationen, Perspektiven, Betrachtungen. Besser als Jazz könnte Toni Morrisons 1992 erschienener Roman nicht benannt werden. Denn genau das macht sein Wesen aus: eine Grundthematik, eine Handlung, um die sich der ganze Roman bewegt, in verschiedenen Haltungen, Blickwinkeln, Sprachen. Und ja, diese Grundthematik geht ins Mark wie Jazz: Wir starten bei einer Beerdigung im Jahr 1926 in Harlem. Joe Trace hat seine ehemalige, über 30 Jahre jüngere Geliebte Dorcas Manfred erschossen, während einer Tanzparty, die das aufkommende Jazz-Age feiert. Auf der Beerdigung dann versucht Joes Ehefrau Violet, der Leiche das Gesicht zu zerschneiden, kann in letzter Sekunde noch davon abgehalten werden. Der Mord bleibt ohne Konsequenzen, weil die Angst vor dem „weißen“ Gesetz größer ist als das Vergeltungsbedürfnis. Und da liegt schon wieder die nächste Parallelität zum Jazz, zu einer Geschichte von Unterdrückung, von White Supremacy, von Rassismus, von einem Kapitel, das noch längst nicht abgeschlossen ist. Das Harlem der 20er Jahre ist noch genauso von den Nachwirkungen und Traumata der Sklaverei geprägt wie die gesamte Gesellschaft bis heute auf einem rassistischen System gebaut ist.
Der Jazz als Romankonzept vereint verschiedene erzählerische Stimmen. Nicht nur wird die Geschichte von Joe, Violet und Dorcas erzählt, sondern auch die von Violets Großmutter True Belle, die als Haushälterin bei einer weißen Frau mitbekommt, wie diese von einem Schwarzen Mann schwanger wird, deren Sohn wird auf der Suche nach seinem Vater Zeuge von Joes Geburt. Violet besucht nach der Beerdigung immer wieder Alice Manfred, die Adoptivmutter von Dorcas, auch deren Geschichte findet Raum, die beiden Frauen können letztlich auf einer fast freundschaftlichen Ebene zueinander finden. Die einzelnen Personen sind also so komplex miteinander verwoben, treten einzeln aus der Handlung heraus in den Vordergrund, um ihre Perspektive, ihre Geschichte zu erzählen, dann fügen sie sich wieder in den Rahmen ein, bilden die Gesamtheit des Romans ab. Zusammen formen sie die komplexe Geschichte von Eifersucht, Gewalt, Hoffnungen, Träumen, Trauma, Liebe. Die Struktur des Romans ist gleichzeitig seine Bedeutung, das schreibt Morrison auch im Vorwort. Und:

„Romantic love seemed to me one of the fingerprints of the twenties, and jazz its engine.”

Es ist nicht nur eine Liebesgeschichte, die hier erzählt wird, es ist eine Lebensgeschichte.

(c) Penguin Random House
(c) Penguin Random House

Weitere Informationen

Hier gehts zum Buch.

Und hier zur deutschen Übersetzung.

Die ersten beiden Teile dieser Reihe sind hier nachzulesen: Beloved und The Bluest Eye.

Schreibt, seit sie sich erinnern kann. Stationen in Leipzig und Kopenhagen (Philosophie, Kultur und Film). Literaturwissenschaftlerin.

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