Mensch geht eine Straße entlang

Vorlaut – Ich bin so impfgeil!

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Diese Woche wurde der Impfplan für die einzelnen Bundesländer veröffentlicht. Fazit: Es könnte alles wesentlich schneller gehen. Besonders angesichts der steigenden Zahlen und der ansteckenderen Mutation braucht es neben einer gut organisierten Verteilung auch die Bereitschaft der Bevölkerung. Um also den Nebelgranaten der Impfgegner ein provokantes Reizwort entgegenzusetzen, sollten wir uns zur Impfgeilheit bekennen.

Warum nicht sachlicher? Warum nicht impfmotiviert oder impfwillig. Weil diese an Mittelmäßigkeit kaum zu übertreffenden Worte nicht beschreiben, wie sehr ich dem Stich in meinen Oberarm entgegenfiebere. Impfgeil beschwört den Anfang vom Ende der Seuche herauf. Eine Fata Morgana von einer langweiligen Vorlesung, einer noch langweiligeren Konversation in einem Kaffeehaus und einem unspektakulären Feierabendbier. So wenig Produktivitätszwang, um die eigenen vier Wände zu ertragen, so wenig DIY Möbel, Homeoffice und Situps auf der Yogamatte. Klingt fremd, war aber mal so. So sehr wir uns das neue Normal auch schöngeredet haben, es bleibt unter der Schminke alles andere als normal.

Als Hype Man des Piekskonzerts, das hoffentlich bald die Vorband hinter sich lässt und zum Headliner übergeht, muss sich die Mehrheit der Vernünftigen mehr Gehör verschaffen. So sollte eigentlich auch die Regierung die Impfgeilheit in ihr Programm aufnehmen. Obwohl Sebastian Kurz und das Wort „geil“, das ist dann doch immer ein bisschen seltsam geworden. Andererseits hat die Vorstellung einer Pressekonferenz mit dem Titel: „Zum aktuellen Stand der Impfgeilheit in Tirol“ schon einen charmanten Touch.

Wir müssen nicht mehr diskutieren wie falsch Impfgegner argumentieren. Wir müssen einfach unsere Impfgeilheit feiern. Die wissenschaftliche Methode hat gezeigt, dass die Impfung aller Wahrscheinlichkeit nach sicher ist. Das ist auch genug, ich setze mich ja auch trotz der Möglichkeit eines spontanen Meteoriteneinschlages auf mein Fahrrad.

Die Impfgeilheit, deren Manifest diese Kolumne sein soll, ist also viel mehr als ein verhipstertes Spaßwort. Sie ist ein Bekenntnis dazu, dass wir tun, was uns als Gesellschaft voranbringt: Vertrauen in die Wissenschaft und Solidarität, damit es für uns alle ein bisschen weniger schlecht ist. Impfgeil sein, heißt überzeugt sein, dass es nicht so sein muss, wie es ist.


Alle impfgeilen Wiener*innen können sich unter dieser Anmeldeplattform für eine Covid-19-Schutzimpfung vormerken lassen. Niederösterreicher*innen werden hier beglückt. Auch impfgeile Vorarlberger*innen können sich ab 18.1. vormerken. Tiroler*innen müsssen sich noch bis 2.2 gedulden und können sich dann vorab anmelden.

In den restlichen Bundesländern (Burgenland, Salzburg, Steiermark, Oberösterreich, Kärnten) ist die Anmeldung vorerst entweder nur für Personen über 80 Jahre oder noch nicht möglich. (Stand 17.1, 14:30)

 

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