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#periodpositivity: Eine Liebeserklärung an meine Periode

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„I am a woman, therefore, I bleed. It’s messy, it’s painful, it’s terrible & it’s beautiful“. Als Einleitung zu diesem Text braucht es nicht viel mehr als diese wunderbar prägnanten Worte von Stephanie Góngora. Ja, wir sind Frauen, wir menstruieren. So simpel, so schmerzhaft, so schön.

Ich weiß, ich weiß: Faktisch gesehen ist meine Menstruation nichts anderes als das Ausscheiden von Blut und überflüssig gewordener Gebärmutterschleimhaut. Ein schlicht auf Fakten basierendes Leben ist mir dann aber doch zu fad. Wenn es um meinen Körper geht, verlasse ich mich lieber auf mein Gefühl und stelle fest: Ich mag meine Periode! Denn – wenn ich so darüber nachdenke – gibt sie mir immer wieder Essenzielles für mein Leben mit auf den Weg.

So zeigte mir meine Regel beispielsweise schon sehr früh, wie unsinnig der Versuch ist, Individuen vergleichen zu wollen. Während ich als 12-Jährige ungeduldig meine erste Periode herbeisehnte – meine engsten Freundinnen menstruierten doch schon längst – weigerte sich meine Gebärmutter schlicht und einfach, meiner Ungeduld nachzugeben. Stattdessen ließ sie mich noch ein paar Monate mehr „Kind“ sein. Auch wenn das mein Verstand damals nicht akzeptieren wollte, lernte ich insgeheim doch, dass jeder Körper seiner eigenen Geschwindigkeit folgt.

Der weibliche Körper vollbringt Monat für Monat Höchstleistungen. Jetzt darf er bluten, sich reinigen und erneuern.

Aber auch heute noch ist meine Periode eine erstklassige Lehrmeisterin. Will ich beispielsweise wieder mal zu hoch hinaus – den Kopf voller Ideen -, hilft mir das sich Ankündigen meine Periode, behutsam einen Gang zurückzuschalten. Dann gibt sie mir mit sanfter Strenge zu verstehen, wie wichtig es gerade jetzt ist, mir selbst gegenüber fürsorglich zu sein. Ihr Erscheinen wird damit zu einem kostbaren Moment der Bestandsaufnahme, des Innehaltens.

In der Folge stellt sie zwar nicht selten sämtliche Pläne auf den Kopf. Das wiederum hilft mir aber, Dinge in ihrer Natürlichkeit anzunehmen oder aber Grenzen zu setzen, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt. Und so freue ich mich jedes Mal, wenn sich meine Periode ankündigt. Was das Schönste daran ist? Sie zwingt mich auf kluge Art und Weise, das Hier und Jetzt anzunehmen, ohne mich im Gestern oder Morgen zu verlieren.

Da so ein Uterus aber auch weiß, dass das Leben hie und da ein bisschen Drama vertragen kann, sorgt er hin und wieder auch für Überraschungen. Mal kommt es zu Verzögerungen. Mal ist er regelrecht zu Scherzen aufgelegt und schickt ohne Vorankündigung eine Zwischenblutung. Und während ich dann versuche, mich über das unangemeldete Erscheinen meiner Periode zu ärgern, überkommt mich eine angenehme Leichtigkeit. Eine Leichtigkeit, die das dringende Bedürfnis mit sich bringt, lauthals über mich selbst lachen zu müssen. Hab ich mich doch wieder mal der Illusion hingegeben, meinen Zyklus auf den Tag genau bestimmen zu können. Als würde sich meine Gebärmutter in Ketten, wie etwa Terminkalender legen lassen. Und so höre ich sie mir bloß „Nice try, sis“ zuflüstern und freue mich heimlich darüber, wie viel mir meine Periode immer wieder über das Leben und das Loslassen beibringt.


Anmerkung: Dieser Text bezieht sich auf die subjektiven Empfindungen der Autorin. Er beabsichtigt keine Verharmlosung von prämenstruellen Syndromen, Regelschmerzen oder Krankheiten wie Endometriose o.Ä. .

Titelbild © Claire Herrmann

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