Die italienischen Plätze gehören jetzt den Sardinen

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In den letzten drei Wochen fanden verschiedene Veranstaltungen in vielen italienischen Städten statt. Tausende Bürger*innen, Junge wie Alte, versammelten sich auf den Hauptplätzen und protestierten gegen Salvinis Lega.

Diese Volksbewegung heißt Sardine (wie die kleinen Fische, die im Schwarm schwimmen) und versammelte sich zum ersten Mal in Bologna, am 14. November 2019. Denn am selben Tag begann hier die Wahlkampagne des Matteo Salvini für die Regionalwahlen in der Emilia-Romagna, die Mitte Jänner abgehalten werden. Die Veranstaltung der Lega fand im PalaDozza, einer Sporthalle mit 5.570 Plätzen, statt.

Die Emilia-Romagna ist eine der wenigen italienischen Regionen, die noch von der Demokratischen Partei regiert wird. In der letzten Legislaturperiode, also in den letzten fünf Jahren, erreichte die Region wunderbare Ergebnisse, vor allem im Gesundheitsbereich. Die Spitäler in der Emilia-Romagna sind die besten Italiens. Matteo Salvini und seine Lega sind nicht dieser Meinung: Er ist der Ansicht, die Krankenhäuser der Region sollten so gut wie die der Nachbarregion Veneto sein, die aber nur den vierten Platz in der Rangliste besetzen. Außerdem sind die Gehälter in der Region relativ hoch und auch der Infrastruktur geht es im Allgemeinen gut.

Menschenmenge protestiert
(c) Marco Parollo

Salvini meint, die Emilia-Romagna sollte befreit werden

Salvinis Bestreben ist, die Emilia-Romagna „zu befreien“. Von wem, ist dabei nicht zu verstehen. Die Bewohner*innen Bolognas möchten nicht unbedingt befreit werden. Deswegen haben vier junge Leute eine bemerkenswerte Veranstaltung organisiert, um zu demonstrieren, dass es viel mehr Menschen gegen die Politik Salvinis gibt, als die knapp 6.000 Plätze im PalaDozza. Am 14. November versammelten sich rund 12.000 Personen auf der Piazza Maggiore, mehr als doppelt so viele wie Salvini im Publikum hatte.

Die vier, die diese Proteste ins Leben gerufen haben, heißen Mattia Sartori (32, Journalist), Roberto Morotti (31, Ingenieur), Giulia Trappoloni (30, Physiotherapeutin) und Andrea Garreffa (30, Reiseführer). Da sie nicht widerstandslos hinnehmen konnten, dass Salvini in ihrer traditionell freien und links regierten Stadt seinen Wahlkampf starten sollte, organisierten sie als Antwort einen Flash-Mob auf der Piazza Maggiore, wo sich die Menschen „eng wie Sardinen“ versammelten. Dieselbe Veranstaltung wurde an den folgenden Tagen und mit ähnlichen Modalitäten in weiteren Städten wie Modena, Parma, Reggio Emilia, Mailand, Florenz, Treviso, Neapel und Ravenna organisiert.

(c) Marco Parollo

Das Volk hat wieder Bedeutung

Diese Bewegung, die wirklich aus dem Nichts entstanden ist und sich dank Facebook und weiterer sozialer Netzwerke organisieren konnte, ist eine echte überparteiliche Volksbewegung, auch wenn sie eine starke linke Orientierung hat, was Soziales anbelangt. Die Bewegung ist mit keiner Partei verbunden, hat keine Leader (die Initiator*innen gelten einfach nur als Initiator*innen) und natürlich auch kein Wahlprogramm. Der Zweck der Bewegung ist die Bürger*innen wieder mitten in die politische Szene zu stellen, gegen die populistische Rhetorik der Lega zu protestieren, das Menschsein und das politische Engagement von jedem und jeder wiederzufinden.

Was wird die Zukunft der Bewegung sein? Momentan wissen wir es noch nicht, aber es ist schon gut, zu bemerken, dass die Leute noch Interesse an der Politik haben und sich nicht in Salvinis spaltender Rhetorik erkennen. Teile Italiens sind anders. Teile Italiens sind menschlich. Viel Glück und viel Erfolg für die Sardinen!

Titelbild (c) Marco Parollo

Italiener, Übersetzer, Beobachter. Meine Leidenschaften sind die Politik, die Musik und die Literatur.

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