Plattenschau | Dives – Teenage Years Are Over

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DivesTeenage Years Are Over (Siluh Records, 2019)
Surf Rock / Post-Punk / Twee Pop | Österreich


Teenage Years Are Over klingt, zumindest dem Titel nach, nicht unbedingt nach einem Album für die kältere Jahreszeit. Die Mischung Surf Rock und Post-Punk könnte sich hingegen möglicherweise jahreszeitlich ausgehen: Das sommerlichste Genre aller Zeiten in Opposition zur herbstlich-trüben Joy Division-Suppe? Warum auch nicht.

Eine Dame im pinken Gilet blickt auf eine still liegende See (vermutlich in Spanien, berücksichtigt man die zu sehende Aufschrift ,,Playas de Paguera‘‘), ihr Gesicht vom Betrachter abgewandt. Sie lehnt an einer Reihe transportabler Wasserrutschen, die irgendwie ein wenig nach Kleinfahrzeug aussehen. Spuren der letzten Besucher*innen sind noch im Sand zu sehen, der gräuliche Himmel gibt jedoch Aufschluss, warum sonst keine weiteren Personen die Meeresnähe frequentieren. Zwar könnte es auch einfach ein Schlechtwettertag im August sein, jedoch davon ausgehend, dass ein Gilet (mit Pulli darunter!) nicht bereits bei 15 Grad aus dem Kasten gekramt wird, und dass die Wasserrutschen-Fahrzeuge mehr nach bereit zum Abtransport aussehen, ist hier wohl einer der letzten Saisontage vor der nahenden Herbst-Winterpause auf das Cover gebannt. Ein Bild, welches äußerst akkurat die präsentierte Atmosphäre auf dem Debütalbum der Dives wiedergibt. Hier wird es zugig, hier wird nach wärmeren Kleidungsstücken gekramt, hier wird sich auf die kommende Kälte vorbereitet. Auch wenn man nach Gelegenheit noch die letzten Sonnenstrahlen tankt oder durch den herbstlichen Sand hüpft.

Dive right in

Umso sonniger Opener ,,Chicos‘‘ (mit deutlichen Hinds und Best Coast-Anleihen) noch klingt, desto mehr herbstelt es bereits in ,,Waiting‘‘ und erreicht beinahe winterliche Kühle im Closer ,,Drinking Paradise‘‘. Mit musikalisch gemischten Gefühlen arbeitet man sich im Verlauf der knapp 37 Minuten langen Platte an Surf Rock-Riffs und Post-Punk Rhythmus-Sektionen ab, stets unterlegt von exzellenten Vocal Performances sowie gelegentlichen Midwest Emo-Gitarrenparts. Das Trio zeigt Einflüsse ohne Scheu, mal etwas Best Coast, mal etwas Alvvays, mal eine Spur Joy Division und The Clash, und schafft es dennoch erfreulicherweise weder nach Kopie zu klingen noch sklavisch einem Genre-Korsetten zu verfallen.

Obwohl Surf Rock nicht unbedingt für klangliche Abwechslung bekannt ist, können Dives effektiv den Spagat zwischen klassischen Surf Rock-Rifffesten (Anti-Fuckboi-Ansage ,,Chico‘‘, ,,Dear Lavender‘‘ sowie ,,Pumpkin‘‘, welches schon fast ein wenig an ,,Misirlou‘‘ erinnert) und verträumten Indie und Twee Pop schlagen. ,,Heads‘‘ schrammt anfänglich gefährlich nahe an Alvvays-Anleihen vorbei, macht das aber durch den extrem groovigen Chorus wieder wett.

Gäbe es noch die erwähnten Midwest Emo-Einflüsse zu besprechen. Der twinky Gitarrenklang weht stellenweise aus den Boxen, ebenso die sommersehnsuchtserweckenden Melodien. Besonders erinnert die Platte jedoch an eine gewisse Band aus Illinois, zumindest stellenweise. Obwohl klanglich Welten zwischen der ersten American FootballPlatte (Polyvinyl, 1999) und Teenage Years Are Over liegen, wird man das Gefühl nicht los, hier ein Schwesteralbum entdeckt zu haben. Besonders ruhige Atmo-Nummern wie ,,Waiting‘‘ und ,,Stay Right Here‘‘ vermitteln ein ähnliches Gefühl von vergangener Liebe, verlorener Hoffnung und Spätsommerabenden. Solche, an denen man schön langsam früher und früher das Fenster schließen muss, da der sonnenverwöhnte Körper noch wärmere Temperaturen gewohnt ist.

Zwar ist das Album bereits am 15.11. offiziell erschienen, eine Release Party am 23.11. in der FLUC WANNE steht jedoch noch vor der Tür. Wer sich diese auf keinen Fall entgehen lassen möchte – würden wir nicht empfehlen! – möge sich hier schnell Tickets sichern!


Favorite tracks: Stay Right Here, Nightdrive, Drinking Paradise,
Least favorite tracks:

8.3/10

Student BEd - Deutsch | Geschichte und politische Bildung

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