Tampons in Space

100 Tampons im All

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1983 fragte man Sally Ride – die erste amerikanische Astronautin im All – ob 100 Tampons ausreichend für den 6-Tage-Aufenthalt im Weltall wären. Damals gab es einige Fragen darüber, ob Frauen überhaupt geeignet sind für Raumflüge. Zwar sind Frauen im Durchschnitt leichter und kleiner, was einige Vorteile in der Raumfahrt bringt, jedoch gab es zu der Zeit Bedenken bezüglich der Fähigkeit, unter hormonell bedingten Einflüssen zu arbeiten.

Die Geschichte von Frauen im Weltall ist voller Diskriminierung und bizarren Fettnäpfchen. Anfangs gab es sowieso keine Frauen in der Raumfahrt. Da bei der NASA alle Astronauten Testpiloten des Militärs waren und Frauen nicht ins Militär durften, waren sie prinzipiell ausgeschlossen. Nach den Apollo-Missionen unterteilte man die Astronauten in zwei Kategorien: Piloten und Missionsspezialisten. Dadurch waren unter den 35 Kandidaten der Group 8 (die achte Generation an amerikanischen Astronauten, 1978) erstmals sechs Frauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die NASA nach wie vor Bedenken, dass ein „psychisch temperamentvoller Mensch“ mit einer „komplizierten Maschine“ arbeiten musste.

Tod durch Menstruation

Tatsächlich gab es aber große Sorge was die Gesundheit betrifft. Der menschliche Körper arbeitet immer mit der vorhandenen Gravitation. Da sich jedoch Körperflüssigkeiten in Schwerelosigkeit anders verhalten, gibt es einige Besonderheiten: Beispielsweise hat man mehr Blut im Kopf und weniger in den Beinen. In manchen Venen kann es sogar passieren, dass das Blut in die falsche Richtung fließt. Bei Frauen hatte man die Befürchtung vor einem rückläufigen Menstruationsfluss, was eventuell zu einer Bauchfellentzündung führen und somit lebensbedrohliche Folgen haben könnte. Jedoch war diese Vermutung falsch, da die Menstruation nicht vom Blutkreislauf abhängig ist. Sicher war man sich aber erst, als die ersten weiblichen Astronauten bewiesen, dass die Menstruation im All genauso funktioniert wie auf der Erdoberfläche.

„The engineers at NASA, in their infinite wisdom, decided that women astronauts would want makeup – so they designed a makeup kit… You can just imagine the discussions amongst the predominantly male engineers about what should go in a makeup kit.“
Sally Ride, 1983

Männer und Frauen der 70er

Die Frage, ob 100 Tampons ausreichend für eine Woche wären, scheint zwar etwas absurd, jedoch muss man sich in die Zeit und die Situation hineinversetzen. Für eine Frau aus einem Industriestaat in den 2020er Jahren mag die Angelegenheit selbstverständlich sein, aber vermutlich war es für die überwiegend männlichen NASA-Mitarbeiter in den 70er Jahren fremdes Gebiet. Selbst wenn sie sich getraut hätten, ihre Ehefrauen zu fragen, hätten sie vermutlich keine Antwort bekommen, weil man bis heute oft nicht so offen darüber redet. Auch heute noch gibt es Frauen, die nicht wissen, wie Tampons funktionieren, oder was bei ihrer Menstruation eigentlich genau passiert. Die Geschichte ist eine lustige Anekdote, die zeigt, was man alles bei der Raumfahrt bedenken muss, wie viel man nicht weiß und nicht vorhersehen kann, bis man es probiert hat.

Heute?

Heute ist man um Gleichberechtigung im Aufnahmeverfahren bemüht. Die ESA verzeichnet zwar einen geringeren Anteil an Bewerberinnen, was hauptsächlich am geringeren Anteil an Hochschulabsolventinnen in den nötigen Fachbereichen liegt. Jedoch sind die Zwischenschritte des Auswahlverfahrens geschlechtsneutral. Beispielsweise waren 2009 16 Prozent der Bewerber*innen Frauen, und am Ende des Verfahrens war unter den fünf auserwählten Astronaut*innen eine Frau. In einem Auswahlverfahren der NASA 2013 lag der Frauenanteil bei 22 Prozent, doch am Ende waren es sogar gleich viele Frauen wie Männer. Der Grund dafür war keine Frauenquote, sondern es wurden schlicht die fähigsten Kandidat*innen ausgewählt. Nicht nur soll das Aufnahmeverfahren zukünftig geschlechtsspezifisch werden, sondern auch allgemein körperlich neutral: Der Vorsitz der ESA Josef Aschbacher sprach von Paraastronauten – Astronauten mit körperlichen Beeinträchtigungen. Dadurch soll man in Zukunft nicht nur Chancengleichheit ermöglichen, sondern auch Forschungen im medizinischen und technischen Bereich betreiben. Im kommenden Jahrzehnt, wenn die USA und Europa ihre Pläne für eine Mondlandung durchführen, werden wir die Frau kennenlernen, die als erste Frau auf dem Mond spazieren geht.

Student an der Uni Wien

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