All I want for Christmas is wolfgang | Unsere liebsten Weihnachtslieder

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Wer liebt sie nicht, die Weihnachtslieder. Zwischen Ellbogenshopping und Festnachtsfresserei schallt es gefühlsmäßig überall Tannenbaumschlager und Schneepop aus den Boxen von Kaufhäusern und Radios von gestressten Familienkutschenfahrern. wolfgangs Redakteur*innen und Freund*innen stellen ihre liebsten Weihnachtslieder vor, erzählen persönliche Geschichten und erklären, warum es nicht immer nur ,,Simply Having a Wonderful Christmas Time“ sein muss.

wolfgang-Unterstützer der ersten Stunde Alex B. hört: Santa Klaus – Die Pest

Kurz, prägnant und auf humorvolle Weise setzt sich der Song mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz auseinander und zeigt, dass  die Übeltäter leider immer wieder auf freiem Fuß weiter machen wie gehabt. Durch diesen Mix aus bitterem Ernst und Blödelei, ist mir dieses Weihnachtslied besonders gut in Erinnerung geblieben.

UK-Korrespondent und notorious goth boi Alex H. hört: Steklovata – Novi God

An underrated classic, and in my personal opinion, the moment in which holiday music truly peaked. Never again will we as a species reach the musical brilliance that is Steklovata’s ,,Novi God“. With it’s tune taking on a universally familiar Christmassy jingle, the song evokes a festive spirit regardless as to whether you understand Russian or not. Due to this however, I can’t actually speak for the lyrical meanings of the song as the Google translations will truly never do it justice. Even so, the song being as catchy as it is, elicits a rather whimsical enjoyment we’ve come to associate with the Christmas season, and a stellar music video that takes you right back to the 90’s with only the cheesiest of green screens. An underappreciated song for sure, but most importantly: One that retail stores have yet to ruin with a ceaseless repetition in their Christmas songlists that they begin playing midway through October.

Musikredakteurin und Metalhead Anna hört: Chris Rea – Driving Home for Christmas

“What´s your favorite Christmas Song?” is a question I never thought I would have to answer. “I don´t have one!” was my first thought since most Christmas Songs are completely overplayed and annoying. As I gave it a little more thought, I eventually changed my mind. I remembered that there is one song that I DO like, one song, that DOES stand out to me. That one song, that makes me feel cozy and warm, that reminds me of Christmas as a child. ,,Driving Home for Christmas” by Chris Rea was always a synonym for the five hour drive (that is IF the weather is good) to my family’s the day before Christmas Eve. The upbeat Swing, the warm melodies, the lyrical assurance that the others around you also had to sit in the car with you and also the pleasant anticipation to see my family. All that makes this song my personal favorite Christmas Song (and probably also one of the few that I don´t want to skip after 30 seconds).

Musikredakteur und Experimental Boy Benji hört: Coil – Christmas Is Now Drawing Near

Coil are probably the last band one would expect to have recorded a Christmas song, in fact, something related to the pagan Yuletide would’ve been more likely, given their interests in occult and pagan traditions. But still, given the rather dark lyrics of the song, that urge people to stop their sinful behaviour and pray to god, it does seem kind of fitting for this group. And by using drone-y manipulated strings and synthesizers, along with Rose McDowall’s hushed and layered vocals, the group created a quite eerie version of this traditional English Christmas carol. It’s a great song and serves as an excellent closer to their Winter Solstice EP, as well as their compilation of seasonal EPs, Moon’s Milk In Four Phases. It’s definitely not something you want to put on the playlist for your office Christmas party, but rather a song to reflect on your sinful bearing to on a cold December night.

Rammstein-Enthusiast und wolfgang Freund Benni hört: Die Fantastischen Vier – Frohes Fest

An alle diesseits und jenseits der Grenzen! In diesem Jahr feiern Die Fantastischen Vier bereits 30-jähriges Bestehen – ein beachtliches Alter für die vierköpfige Formation, die seit ihrer Gründung in Originalbesetzung unterwegs ist. Wer mit der Band vertraut ist, weiß, dass die deutschen Hip-Hop-Pioniere stets ihrem eigenen Stil folgten und nie so richtig in das klassische Deutschrap-Schema passten. Während in der jüngeren Vergangenheit des Öfteren Exkurse in andere Genres stattfanden, zeichnen sich die ersten Platten durch einen recht funkigen Sound und vergleichweise expliziten Texten aus; so auch der Song „Frohes Fest“ der titelgebenden Maxi-Single, welche Anfang der 90er-Jahre veröffentlicht wurde. Mit teilweise sehr derben Inhalten werden hier comichaft verschiedene Heiligabende dargestellt, die sich so wohl niemand ersehnt. Nicht zuletzt wurde das Lied aus diesem Grund 1993 in Deutschland auf den Index gesetzt, um es 25 Jahre später nach erneuter Prüfung (gerechtfertigt) wieder freizugeben. Als Weihnachtslied also denkbar ungeeignet, objektiv betrachtet aber ein klasse Song im Stil von deutschem Old School Hip Hop, der seinesgleichen sucht. Heute ist die Single wieder auf gängigen Streaming-Plattformen verfügbar, die Original-CD wird jedoch nur noch zu höheren Preisen als Rartität gehandelt.

Todespopsänger und wolfgang Freund David, aka Sir Tralala, hört: The Pogues – Fairytale of New York

Das Lied macht mich ein bissl sentimental, es erinnert mich u.a. an eine Zeit, in der ich mit meiner Geige oft in Irish Pubs unterwegs war.
Und es ist im Vergleich zu den meisten Weihnachtsgeschichten kein verkitschter Schönfärbersong. Es geht um kaputte Träume und Desillusionierung, aber dennoch – und selbst wenn es vielleicht von einer kaputten Junkiebeziehung handelt – ist es im Weihnachtsspirit sehr versöhnlich. Und weil das Ende offen gelassen wird, kann man sich, wenn man will, für ein Happy End entscheiden.

Chefredakteur und Musikfanatiker Gaps hört: Chris de Burgh – A Spaceman Came Travelling

Als Kind hörte ich Weihnachtslieder sehr gerne bereits ab Mitte August, selbst das verschriene (und definitiv zu Tode gespielte) ,,Last Christmas“ war (und ist) für meine Ohren nicht so furchtbar. Erst in späteren Jugendjahren kristallisierte sich dann ein Favorit heraus: ,,A Spaceman Came Travelling“. Während besonders ab den 90ern poppige Weihnachtsjingles oft recht schmalzig und oppulent daherkommen, schafft es der Progressive Pop-Titel aus 1976 mit einer anmutigen Mischung aus spacig-ruhigen Vers-Klängen und einem klaren, mehrstimmigen Ätherchorus eine ganz eigene Stimmung zu erzeugen. Auch die erzählte Geschichte des reisenden Weltenbummlers, die implizit christlich konnotiert ist, untermalt hervorragend meinen persönlichen Zugang zur Weihnachtsfest. Stille und Reflexion, ein tiefes Durchatmen und Luftholen vor der Jahreserneuerung.

Musikredakteurin und Serbien-Korrespondentin Katarina hört: Low – Just Like Christmas

The (at the time) tour-weary Minnesota trio comes together with a short but sweet ode to what most of us feel around Christmas time – a yearning to feel the warmth and familiarity of being young, at home and excited for the holidays. It’s refreshing in its simplicity and sincerity, evoking a warm, fuzzy, nostalgic feeling. In short – it really does feel just like Christmas.

Fotografin Lara hört: Frank Sinatra – Have Yourself A Merry Little Christmas

Es gibt so viele tolle Weihnachtslieder, aber wenn ich mich für einen Favoriten entscheiden müsste, wäre es definitiv ,,Have Yourself A Merry Little Christmas“ von Frank Sinatra. Abends, wenn es schneit, durch die Stadt spazieren, Kopfhörer anziehen und dabei diesen Song hören – perfekter geht es meiner Meinung nach nicht.

Generation N-Herausgeber Lukas hört: Matthew Taranto – A Simple Request

Spätestens seit ich anno 1998 das großartige Ocarina of Time unterm Baum vorfand, assoziiere ich Zelda irgendwie immer auch mit Weihnachten. Vielleicht haben den Creator des charmant-witzigen (inzwischen leider eingestellten) Webcomics „Brawl in the Family“, Matthew Taranto, vor einigen Jahren ähnlich wohlige Erinnerungen dazu inspiriert, Episode 300 als (mit Bildern voller Insider-Gags unterlegte) selbstperformte Parodie von Mariah Careys „All I Want for Christmas Is You“ zu inszenieren? Diese „A Simple Request“ betitelte Version, in der Bösewicht Ganon mit den Stilmitteln eines Liebeslieds das gottgleiche Kräfte verleihende Triforce-Artefakt besingt (und dabei die schnulzigen Klischees herrlich ins Gegenteil verkehrt, indem es eigentlich ständig nur darum geht, auf welche Weisen er die Welt mit dieser Macht ins Chaos stürzen könnte), schlägt das Original für mich um Längen!

Stellvertretender Chefredakteur Max hört: Carol of the Bells (Shchedryk)

Das Ukrainische Neujahrslied, besser bekannt als “Carol of the Bells” ist mein absolut liebstes Weihnachtsstück. Das sich immer wiederholende Hauptmotiv hat etwas Mystisches an sich, die einzelnen Melodiefäden sind klar nachzuvollziehen und ergänzen sich wunderbar. „Shchedryk“ ist eine tolle Abwechslung zu dem sonst so üblichen Weihnachts-Tralala. Hier zwei Versionen, die erste bleibt dem originalen Arrangement von Mykola Leontovych treu, während sich die des Trans Siberian Orchestra ein paar mehr Freiheiten nimmt.

Musikredakteur und Drummer Philip hört: Brian Setzer – Jingle Bell Rock

Eines meiner liebsten Weihnachtslieder ist definitiv „Jingle Bell Rock“. Das Original von Bobby Helms erklingt nämlich im Intro des ikonischen 80er-Buddy-Actionfilms Lethal Weapon und schafft es Los Angeles (wo der Film spielt) trotz Schneelosigkeit ein zauberhaftes Weihnachtsfeeling zu geben. Meine liebste Version ist allerdings vom Neo-Rockabilly-Musiker Brian Setzer.

Musikredakteurin und Filmenthusiastin Regina hört: My Chemical Romance – All I Want For Christmas Is You

As someone who likes Christmas but ultimately despises the majority of the musical output inspired by the celebration itself, all I could think of is going back to my teenage years to try and find something that I don’t mind listening to while still maintaining the holiday cheer. In this case, as in many others, Gerard Way and the boys save the day with a Pop Punk rendition of the Mariah Carey classic (which by the way I can’t stand in its original version); a song that even the most Grinch-y spirits won’t be able to resist dancing to.

Opern-Rezensentin Venivididici hört: Franz Schubert, interpretiert von Antii Siirala – Gute Nacht

Der Früh-Romantiker Franz Schubert schrieb den Liederzyklus „Winterreise“ ein Jahr vor seinem Tod, hier in Wien. Im Gegensatz zu allen fröhlichen Weihnachtsliedern erinnert mich das Lied „Gute Nacht“ aus eben dem Zyklus an eine herbe, schwere Winterzeit, in der wir uns glücklich schätzen können, ein warmes Plätzchen zu haben.

Schuberts „Winterreise“ wurde etliche Male transkribiert und umarrangiert, von Orchester bis Soloklavier. Vor kurzem bin ich auf diese sehr simple und doch berührende Transkribtion von dem Pianisten und Komponisten Leopold Godowsky gestoßen, der einige Schubert-Lieder in den 20ger-Jahren für Soloklavier arrangiert hat. Hier überwiegt  eine bestrickende, bach’sche Polyphonie und keine pianistische Virtuosität wie in der Bearbeitung durch Franz Liszt.
Besonders intensiv und umgarnend finde ich die Aufnahme von dem finnischen Pianisten Antii Siirala.

Wer auf nostalgisches Platten-Rauschen steht, und den großartigen Pianisten Godowsky seine eigene Transkribtion spielen hören will, klickt bitte auf diesen Link.

Chefredakteurin Winona hört: 257ers – Holz (Weihnachtslied)

Dass die 275ers mit „Holz“ aus dem Album Mikrokosmos (Selfmade, 2016) auch in den österreichischen Charts landeten, freut mich besonders, denn während die Essener (Der Bandname leitet sich aus der Postleitzahl 45257 von Essen-Kupferdreh ab) in Deutschland schon zum Rap-Kanon gehören, findet man in Österreich nur vereinzelte Kenner*innen. Spätestens aber wenn man mit den Lyrics der Liebeserklärung an das Waldprodukt beginnt, finden sich auch hierzulande einige aufhellende Gesichter. Schließlich ist der Inhalt einfach grenzgenial. Hatten wir uns gerade von dem Dauerohrwurm erholt, setzte das Duo im Winter 2016 noch einen drauf und veröffentlichte eine Weihnachtsedition von „Holz“. Seitdem ist keine Weihnachtsplaylist als vollständig zu erachten, solange sie nicht die Essener Version von „O Tannenbaum“ beinhaltet. Man ergötze sich also an dem passend dazu adaptierten weihnachtlichen Musikvideo und arbeite am selbstgebastelten Stock!

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