Abbildungen von PS5, Switch und der neuen Xbox.

OldMacMario’s Farm @ wolfgang #12: The Next (Console) Generation

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In dieser vorläufig letzten „OldMacMario’s Farm @ wolfgang“-Episode (Laufende Projekte: „Pay what you want“-Spiel „Blind Ninja“ und die verschiedenen Generation NKanäle, die euch auch über ein kommendes Jump&Run mit einer gewissen würfelförmigen Katze informieren werden – würde mich freuen, wenn ihr mal reinschaut!) geht es um ein alle paar Jahre wiederkehrendes Gaming-Großereignis: Den Konsolen-Generationswechsel!

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Titelbild-Elemente (v. l. n. r.): Sony/Amazon, Nintendo, Microsoft

Was war es z. B. nicht für ein Erlebnis, erstmals einen Super NES-Controller mit seinem genialen erweiterten Button-Layout in den Händen zu halten, der gameplaytechnisch viel Neues ermöglichte, den vielen frischen „Instrumenten“ des Soundchips zu lauschen und von den mehr Farben, Pixel und (3D-)Effekten gegenüber dem NES (bei gleichzeitig weniger Geruckel) bietenden Grafiktechnologien beeindruckt zu sein! Ein noch wesentlich größerer Sprung war freilich jener vom SNES zum Nintendo 64: Super Mario 64, nach wie vor ein hervorragendes Spiel, fungierte als nonlineares 3D-Jump&Run mit dynamisch steuerbarer Kameraführung als wahrer Meilenstein, der die Überlegenheit von (anfangs durchaus ungewohnten) Analogsticks gegenüber digitalen Steuerkreuzen eindrucksvoll untermauerte und sich massiv von früheren Genre-Experimenten (wie Segas lustigem Saturn-Hüpfer Bug!) abhob, die sich trotz räumlicher Darstellung spielerisch nicht allzu sehr von den 2D-Traditionen entfernt hatten.

Natürlich fiel nicht jeder Sprung gleichermaßen groß aus, aber auch kleinere und auf den ersten Blick weniger spektakuläre blieben im Gedächtnis: Seien es der klassische Game Boy als Art tragbares Schwarzweiß-NES und seine vielen Nachfolger, Nachahmer und Konkurrenten, die gemeinsam mit ihm mobile Spiele populär machten. Oder seien es die aufkommenden Geräte mit Disk-basierten Datenträgern, die den Kreativteams wesentlich mehr und günstigeren Speicherplatz zur Verfügung stellten, um sich auszutoben, während bei den zuvor üblichen Modulen oft die Schere angesetzt werden musste: Man denke an Squaresofts (anfangs als Titel für eine gecancelte CD-Erweiterung konzipierten) SNES-Klassiker Secret of Mana, der für seinen schlussendlichen Cartridge-Release stark gekürzt werden musste (was sich auch an der etwas fragmentiert wirkenden Storyline bemerkbar macht). Oder an Segas erstes Sonic the Hedgehog-Spiel, dessen knapp zwei Sekunden lange „Seeegaa!“-Sprachausgabe zu Spielbeginn mal eben ein Achtel (!) des Mega Drive-Moduls in Beschlag nahm: Die Gelehrten streiten sich nach wie vor darüber, ob dieses Sprachsample irgendwie kultig oder einfach nur extrem nervig ist…

Kurz: Ganz ungeachtet von Erfolg und Einfluss haben die allermeisten Konsolen jeweils eine schöne Eigenständigkeit bezüglich Charakter, Flair, Technik, Spielmöglichkeiten und Exklusivtiteln – von Segas GB-Gegenspieler Game Gear mit seinem frühen Farbscreen über die das HD-Zeitalter einläutende Xbox 360 mit ihrem tollen Controller (der mich dennoch, wie schon das Dreamcast-Pad, immer wieder verwirrt, da hier zwar im Nintendo-Stil die Knopfbezeichnungen „A“, „B“, „X“ und „Y“ verwendet werden, aber gänzlich anders angeordnet sind…) bis hin zu Nintendos Wii U, welche das „Off-TV Play“-Prinzip einführte (Anmerkung an Alex, den alten Hater: Das Wii U-GamePad liegt super in der Hand!) und der nachfolgenden Switch, die selbiges zu vollwertigen Handheld-Funktionen ausbaute. Während ich diese aber schon bei Xbox One und PlayStation 4 der aktuellen Generation etwas vermisst habe (deren Spieleangebote sich nochmals sichtlich mehr als in der 360/PS3-Generation miteinander zu überschneiden scheinen) und auch bei wirklich hübschen Current Gen-Spielen wie Batman: Arkham Knight oder Final Fantasy VII Remake nie „Wow, das wäre auf der vorherigen Konsole nie möglich gewesen!“ im Kopf hatte, scheint sich dieser für mich ernüchternde Trend, zumindest anhand ihrer jeweiligen Enthüllungen unlängst, mit PS5 und der neuen Xbox (ja, einfach nur „Xbox“, siehe die Kolumne „The Name of the Game“ vom Jahresbeginn) umso mehr fortzusetzen.

Bitte nicht falsch verstehen: Jene beiden werden sicherlich (wie auch Nintendos noch unangekündigtes nächstes Gerät, das aber angesichts der erst dreijährigen Switch wohl noch etwas auf sich warten lassen wird) tolle Geräte und eines Tages (nach Preissenkungen und dem Release besonders interessanter Exklusivtitel) gewiss auch im heimischen Spielezimmer landen (wobei ich jetzt schon daran verzweifle, einen passenden Platz für den neuen riesigen Xbox-Block zu finden – die One war doch schon klobig genug…). Doch bei wirklich allen bisherigen zugehörigen Spielepräsentationen war mein Eindruck weniger „Hammer, ein waschechter Next-Gen-Titel!“ als „Hübsch, aber wo ist hier der große Unterschied zu PS4/Xbox One-Games…?“, während die zu Tode promoteten Konsolenfeatures für mich persönlich, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich langweilig wirkten: Schnellere Ladezeiten? Schön und gut und praktikabel, aber nicht eben spektakulär (habe ich am modulbasierten N64 auch). Abwärtskompatibilität? Für viele sicher eine schöne Sache, aber mir gelinde gesagt wurscht, da ich die Vorgängergeräte eh alle betriebsbereit zu Hause stehen habe (und sich das auch nicht ändern wird). 4K- oder gar 8K-Support? Ich bin (wie sicherlich viele andere) erst einmal mit meinem Full HD-TV zufrieden, danke. Der Mega-Kampfbegriff Raytracing? Sicherlich lassen sich mit diesem Prinzip schicke Ergebnisse erzielen, aber, siehe oben, keine bisherige Präsentation brachte mich auf den Gedanken „Wow, Wahnsinns-Raytracing!“: Wenn ich den Begriff „Raytracing“ höre, assoziiere ich damit nicht „Neukonsolenkaufgrund“, sondern die Lehrveranstaltung „Einführung in Visual Computing“ im übervollen Kuppelsaal der TU Wien, welche uns anno 2012 Raytracing näherbrachte (before it was cool). Mit „Diese Konsole kann Raytracing!“ zu werben ist für mich ähnlich spannend wie es mit „Diese Konsole kann Osmose! Das ist eine Diffusion durch eine semipermeable Membran!“ wäre. Und nichts gegen Xbox-Boss (quasi „Xboss“, höhö) Phil Spencer oder hochtrabende Marketing-Formulierungen, aber seine folgende Antwort auf einen Fan-Tweet geht allenfalls als komödiantische Nummer durch:

Ein Tweet von Phil Spencer inklusive der Aussage "In my view the feel of games this upcoming generation will change as dramatically as any since 2D to 3D [...]"
Ja, Phil, und morgen kommt der Weihnachtsmann… [Bild: Twitter]

Eine ebenso drastische Änderung im Feeling wie bei jedem Konsolengenerationswechsel seit dem Sprung von 2D- auf 3D-Welten? Wer z. B. den grafischen Quantensprung von der charmanten, aber „blockigen“ 32/64-Bit-Ära auf Dreamcast, PS2, GameCube oder Xbox (diesmal wirklich die erste Xbox, nicht die „einfach nur Xbox“-Xbox) miterlebt hat, kann über diese geradezu biblische Hyperbolik nur müde lächeln. Wenn PS5 und Xbox (hier ist wieder die neue gemeint – ach, ist das alles kompliziert…) tatsächlich einen größeren Sprung machen, dann vermutlich nur im Virtual Reality-Bereich: Ich halte diesen (zumindest in seiner bisherigen und aktuellen Form) zwar nicht für die oft prophezeite „Zukunft der Videospiele“ (einerseits wegen immer noch öfters vorhandener Praktikabilitätsprobleme bezüglich Aktionen wie dem Aufheben von Items mit Gestensteuerung oder der Fortbewegung ohne Analogstick, andererseits wegen meines Hangs zu „Motion Sickness“, der auch gerade im riesigen Videospielmarkt Japan weit verbreitet ist), aber coole Möglichkeiten bietet diese Technologie allemal und wenn die Bildschirme buchstäblich direkt vor den eigenen Augen hängen, können diese (anders als im TV-Bereich, wo die Unterschiede immer subtiler werden) gar nicht genug Auflösung haben!

Wie gesagt soll nichts von diesen Ausführungen Bashing sein; eher Verwunderung über einen verfrüht anmutenden Generationswechsel: Dass es etwa seitens Microsoft heißt, in den nächsten ein, zwei Jahren würden sämtliche First Party-Exklusivtitel der 2020er-Xbox (hm, auch kein griffiger Namensvorschlag…) auch auf der Xbox One spielbar sein, ist einerseits löblich, aber drängt andererseits noch mehr die Frage auf, wieso die Ablösung dann überhaupt jetzt schon stattfinden muss (abgesehen vom Argument „Weil die PS5 auch dieses Jahr rauskommt!“). Aber wie auch immer: Bleiben wir dennoch gespannt auf die neuen Konsolen – mal sehen, was die Zukunft bringen wird! Also abwarten, Tee trinken und sich über tatsächlich komödiantische Tweets wie diesen amüsieren:

Tweet des Users "Lqvese": Fotos von PS5 und der neuen Xbox samt der Frage "So are you guys getting the Mini Fridge or the Wifi Router?"
In bester Tradition der Schuhschachtel namens US-SNES und des Betamax-Rekorders Xbox One! [Bild: Twitter]
Würfelförmige pixelige Katze

Vielen Dank fürs Lesen und man sieht sich sagen Kolumnen-Katz und Old!


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Herausgeber des "Generation N"-Printmagazins und generation-n.at-Videoredakteur, Germanist, Informatiker, Videospielfreak seit Kindergartentagen, auch Kino, Comics und dem Basteln von seltsamen Kurzfilmen nicht abgeneigt sowie stolzer Absolvent eines Wochenend-Intensivkurses der Clownerie.

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