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„Ich leg mich frei in der Musik“ | Austrian Black Metal #1: Interview mit L.G. von Ellende

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Grazer Lokalmatadore Ellende haben sich in kürzerster Zeit mit ihrem herausragenden Atmospheric Black Metal eine internationale Fanbase erspielt. Das Projekt zeigt sich weitgehend verschlossen, Mastermind L.G. gibt üblicherweise nicht einmal Face To Face Interviews. Aber manchmal sind Glück, Gelegenheit und entsprechende Kontakte auf unserer Seite: Exklusiv für wolfgang: L.G. im Vieraugengespräch, ungeschminkt.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst.

Gerne!

Was waren so deine Erstberührungen mit dem Black Metal?

Zuerst war da Dimmu Borgir (lacht), weil ein Freund von mir, mir im Skaterpark Black Metal CDs gegeben hat. Da war eben Dimmu Borgir dabei, Burzum und Emperor glaube ich. Filosofem (Misanthropy, 1996) von Burzum war quasi so der Einfluss, wo ich g’spürt hab, was Black Metal eigentlich so kann. 

Und was gibt’s da sonst noch, außerhalb von Black Metal? 

Mein Vater hat immer viel Pink Floyd gehört. Das hab ich als Kind noch nicht so richtig verstanden, später ist es mir dann aber gekommen. Es ist unterschiedlich, ich hab nicht immer nur Black Metal gehört, ist eh klar. So richtiger 60er Rock ist auch viel dabei. 

Welche Motivation steckt dann dahinter, dass du im Black Metal Musik veröffentlichst? 

Ich glaube, dass der Black Metal einfach viel mehr ausdrücken kann als andere Musik. Es steckt ein bissl mehr Ehrlichkeit dahinter. Es ist schwer zu sagen. Ich habe immer so den Drang gehabt, irgendwas Wichtiges mit der Musik zu sagen und nicht irgendwelche banalen Dinge, mit denen sich viele Leute identifizieren können. Von dem her war Black Metal immer so meine Leidenschaft. 

Das ist dann also auch die Intension hinter eurem Werk. 

Ja, genau.

Siehst du dich als Teil der internationalen Szene oder als Teil der nationalen Szene oder stehst du ein bisschen außerhalb? 

Es fällt mir irgendwie schwer, in der österreichischen Szene. Es kommt mir so vor, als gäbe es in Österreich extrem viel Neid. Ich liebe meine Fans überall, aber ich versuche nicht nur in Österreich zu bleiben, weil es so einfach sinnvoller ist für uns. 

Wie kommt es zu den deutschen Lyrics? 

Deutsch ist einfach die Sprache in der ich mich am wohlsten fühle, ob Bundesdeutsch oder Österreichisch. Musik ist etwas sehr persönliches und auf Deutsch tue ich mir da am leichtesten. Deutsch ist eine sehr schöne Sprache, jetzt ganz ohne irgendwelche patriotischen Überlegungen dahinter, es ist einfach nur eine tolle Sprache. Ich fühl‘ mich wohl und kann viel da rein verpacken. 

Was Genrekollegen angeht, hörst du viel im eigenen Genre oder reicht es dir nach einer Show dann und du hörst was ganz anderes? 

Ich hör‘ schon noch sehr viel Black Metal, aber nicht nur. Ich könnte nicht die ganze Zeit Black Metal hören, was ja viele Black Metaller behaupten, sondern ich brauche auch immer wieder andere Einflüsse. Ich meine, ja, klar, oft treibt es mich wieder zu den alten Black Metal G’schichten, aber auf Dauer… es ist immer ein Wechselspiel. 

Wie viel Punk steckt im Black Metal?

Naja, der Black Metal kommt ja irgendwie auch vom Punk, ich sehe da sehr viele Parallelen. Es gibt in beiden Richtungen irgendwelche Idioten und in beiden Richtungen Personen, die überlegt ihre Sachen machen.

Apropos Idioten: Wie stehst du zu Extremen im Metal, also so Sachen wie NSBM?

Ich glaube, dass Musik einfach mehr kann als Politik.

Was unterscheidet eine Show wie die diesige im Viper Room von einer Show wie im Mai auf dem Vienna Metal Meeting? 

Ich finde der Viper Room hat eine ganz eigene, kleine Atmosphäre, die du auf großen Festivals nicht hast. Hier hast du eine gewisse Nähe zum Publikum. Bei diesen riesen Gigs bist du auf der Bühne oft anonymer, als dir lieb ist, so kommt es mir jedenfalls vor. Aber ich mag nichts desto trotz beide Varianten. Es ist halt ein anderes Feeling, sowohl fürs Publikum als auch für die Band. 

Noch mal zu eurem Werk: Wie geht ihr das Songwriting an, schreibt ihr alle oder schreibst nur du? 

Na, des is a komplette Diktatur vo mir. Ich spiel‘ ja auch in anderen Projekten, wo ich quasi vorgesetzt krieg‘, was ich spielen soll. Bei Ellende ist es halt mein Traum und ich leg mich frei in der Musik bei Ellende. Die anderen akzeptieren das auch so wie es ist. Paul (P.F., Schlagzeug) hat so seine Freiheiten im Studio, nachdem ich grob vorgebe was ich will, der hat einfach immer einen guten Input. Es ist mein Projekt und ich hab auch ziemlich viel Auswurf beim Songwriting. Das Bauchgefühl muss stimmen und so wird das dann einfach gemacht. 

Das Skelett, welches du auf der Bühne trägst, ist das echt? 

Ja, das sind echte Tiere. Teilweise Dachs- und Rehknochen, Fuchs ist auch mit dabei. Die sind teilweise gesammelt, teilweise gekauft. Ich achte da immer auf Symmetrie. Es ist eigentlich schon mein Zweites, also das Erste ist recycled worden in diesem. Das Erste ist immer aufgerissen. Diesmal hab ich es wirklich angenäht an mein T-Shirt. Jetzt hält es.

Zum Abschluss: Was würdest du als deine fünf für dich am einflussreichsten Alben ansehen? 

Also: Pink Floyd Pulse (EMI, 1995) auf jeden Fall. Von den Queens of the Stone Age Songs for the Deaf (Interscope, 2002), von Burzum Filosofem. Dann noch Woods of Desolation Torn Beyond Reason (Northern Silence, 2011) und als fünftes Album … schwierig … keine Ahnung, vier fallen mir jetzt ein (lacht).

Passt auch, das ist immer die Frage, wo alle hängen bleiben. 

Da bin ich erleichtert (lacht).

 

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