Ethical Porn

Auf die Finger geschaut – Ethical Porn

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Dass geläufige Pornos keine Auszeichnung für geschlechtliche Ausgewogenheit erhalten, ist wahrscheinlich jeder*m bewusst. Meist ist genau das Gegenteil der Fall: Sie sind für Frauen meist höchst degradierend und insgesamt weit entfernt von fairem oder respektvollem Umgang. The male gaze it is! Doch es kann Abhilfe geschaffen werden: Ethical Porn. Was diese Filme ausmacht und wo sie zu finden sind, lest ihr heute hier.

Keine Lust mehr auf die immer gleiche Storyline, in der Frauen meist menschenverachtend und respektlos behandelt werden, in der fat-shaming und Inzest romantisiert und Jungfräulichkeit fetischisiert wird? Sprich: Du hast die Nase voll von Mainstream Pornos? Dann gibt es genau das Richtige für dich: Ethical Porn. Böse Zungen würden jetzt vielleicht hinter vorgehaltener Hand flüstern: Never change a winning team?! Na, heute geht das doch schon ganz anders! Bei der nächsten nachhaltigen Milchalternative sind wir doch auch immer alle ganz schnell am Start – Warum dann nicht auch mal auf dieser Seite des Konsums vorbeischauen? Aber worin besteht jetzt eigentlich der Unterschied zwischen Ethical Porn und Mainstream Porn?

How to: Ethical Porn

Häufig auch feminist oder fair trade porn genannt, stehen bei Ethical Porn Inklusivität und (female) Empowerment ganz oben auf der Prioritätenliste. Es soll eine realistischere Darstellung von Sex und Lust stattfinden, ohne Verfälschung und Übertreibung. Das schließt auch Darsteller*innen mit unterschiedlichen Körpertypen, verschiedener Ethnien, queere Beziehungen und echte weibliche Lust mit ein. Außerdem: Alle Darsteller*innen und Produzent*inenn sind fair bezahlt und volljährig. Die Filme werden in einem sicheren Umfeld gedreht und die Bedürfnisse, Grenzen und auch die Neugier der Darsteller*innen werden miteinbezogen und geachtet. Es besteht also ein wechselseitiges Verständnis – jeder weiß was passiert und fühlt sich wohl damit.

Kreativ, einvernehmlich und realistisch: Mit realistisch ist hier natürlich nicht gemeint, dass alles nur in den immer gleichen Bahnen ablaufen muss. Trotzdem kann sich hier offen ausgelebt und auch Fetische bedient werden – aber eben immer unter Vorbehalt und mit dem klaren Einverständnis aller Beteiligten. Ein weiterer wichtiger Punkt: Man zahlt für die Filme. Für viele vielleicht ein Manko, aber Du zahlst ja auch gerne für deinen Lieblingsstreaming-Dienst oder hast ein Abo bei einer Zeitschrift. Gute Produktion und faire Konditionen haben eben auch in diesem Bereich ihren Preis.

Genug angepriesen, wo genau findet man nun diese tollen Filmchen? Hier eine kleine Liste mit ein paar Auswahlmöglichkeiten, das Gelbe vom Ei sozusagen:

Cheex

Ein Paradebeispiel dafür, dass es auch ganz anders zugehen kann in der Pornoindustrie. Das Start-Up aus Berlin macht sich frei von Klischees und liefert audiovisuelle erotische Inhalte auf höchstem Niveau (+fair produziert). Noch dazu gibt es (Live-) Tutorials (Bsp.: „How to deepthroat“), Workshops und ein Online-Magazin, das Themen rund um sexuelle Freiheit und Gesundheit, Beziehungen und Co. abdeckt. Also ein richtig gutes Gesamtpaket. Das bekommt ihr im Abo schon für 14,90€/Monat oder aber in einer Jahresmitgliedschaft für 118,80€ (9,90€/Monat).

Lust Cinema

Von der schwedischen Pionierin Erika Lust ins Leben gerufen, bietet Lust Cinema alles was das (Frauen-) Herz begehrt. Hier läuft im Gegensatz zu Mainstream-Pornos nicht immer dieselbe Laier, mit demselben schnöden Plot, sondern intelligent gedrehte Filme, die verschiedene Körper, Geschlechter, Altersgruppen und Identitäten zeigen. Inspiration für ihre Filme nimmt Lust aus ihrer Fangemeinde. Auf ihrer Website kann jede*r seine Fantasien und Erfahrungen festhalten, die Lust gegebenenfalls verfilmt. Das Ergebnis sind schön gedrehte und mit sauberen Schnitten versehene Filme, deren Plots mehr als platte Dialoge und Stellungen hergeben. Hört sich eher nach Kino, statt Porno an? Keine Sorge, Spiel, Spaß und feuchtfröhliche Abenteuer kommen auch hier nicht zu kurz. Für 29,95€/Monat oder im Jahresabo für 119,95€ könnt ihr euch davon überzeugen.

PinkLabel

PinkLabel kann definitiv als eine der inklusivsten Plattformen für sexuelle Inhalte bezeichnet werden, die das Internet derzeit zieren. Und das wissen wir sehr zu schätzen! Die Darsteller*innen bestehen aus Stars der LGBTQ+-Community und es wird auch Menschen mit Behinderungen eine Plattform geboten. Auch hier wird gezeigt: Porno muss nicht ausbeutend sein! Um die beworbenen „Indie Adult Films“ ansehen zu können, muss man lediglich einen Account erstellen und sich ein Membership aussuchen mit dem man dann Filme kaufen oder leihen kann. (Hier sind wir auch bei rund 25€/Monat).

Bellesa

Auf Bellesa ist für jede*n was dabei! Hier gibt es sexuelle Inhalte, die Frauen als Subjekte der Lust und nicht als Objekte der Eroberung feiern. Bellesa ist mehr als eine herkömmliche Pornoseite. Auf integrative Weise bietet sich hier eine Plattform, die Frauen helfen soll, ihre Wünsche zu verstehen, zu erforschen und frei in einer Gemeinschaft von gleichgesinnten Frauen zu erfüllen. Hier wird endlich geschätzt und respektiert, was Frauen zu sagen haben! Na endlich! Und Sextoys gibts noch dazu, wenn das kein Anreiz ist, dort einmal vorbei zu schauen. Lesen ist nicht so dein Ding? Nach dem richtigen Porno wirst du hier auch nicht allzu lange suchen müssen. All das gibt es momentan für ca. 15€/Monat.

Na, auf den Geschmack gekommen? Dann schaut doch mal vorbei.


Die nächste Sexkolumne erscheint am 10. Oktober! Stay tuned.


Titelbild: ©Charles Deluvio/unsplash.com

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Studentin für Literaturwissenschaften

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