Die Gewinner von Corona #2: Sanna Marin

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Seit Februar leben wir nun unter der Herrschaft des Coronavirus. Sei es nun eine tatsächliche Ansteckung, die Quarantäne, die uns vor mentale Herausforderungen stellt, oder nicht zu verhindernde Entlassungen durch den Lockdown – der Virus hat für uns alle schwerwiegende Auswirkungen. Es gibt jedoch ein paar wenige, die aus dem Virus einen Nutzen ziehen konnten. In der Serie „Die Gewinner Coronas“ wollen wir auf diese Menschen aufmerksam machen. Im zweiten Teil: die finnische Premierministerin Sanna Marin. 

Was man jetzt schon mit Sicherheit sagen kann: Die großen Verlierer der Coronakrise sind die Machos an den Spitzen der Supermächte. In den Vereinigten Staaten gibt es dank der medizinischen Laisser-Faire-Agenda Trumps fast ein Fünftel der weltweiten Todesfälle, Brasilien knackte gerade die 2-Millionen-Marke der Infizierten, unter ihnen ist auch auch der Präsident Jair Bolsonaro, und die Briten haben unter Johnson eine der höchsten Infiziertenraten in Europa. Während die Zahlen für Infizierte und Tote immer weiter steigen, sinken ihre Zustimmungswerte in der Bevölkerung. Diejenigen, die sich als große Führer zeigen wollten, beweisen gerade täglich, dass sie das absolut nicht sind.

Die Frauen haben’s drauf!

Jene Länder, die eine vergleichsweise gute Bewältigung der Pandemie hingelegt haben, haben einen gemeinsamen Nenner. Es gibt eine Staatschefin und keinen Staatschef. Die Frauen machen’s besser. Deutschland hat unter Angela Merkel eine viel niedrigere Todesrate als Frankreich, Spanien oder Italien. Jacinda Arden konnte in Neuseeland Covid-19 fast ausrotten, und die taiwanesische Präsidentin Tsai-Ing Wen gab durch funktionierendes Contact Tracing und unzählige Tests eine beeindruckende Antwort auf das Virus – und das ohne vollkommenen Lockdown.

Dann gibt es da noch die finnische Premierministerin Sanna Marin. Die 34-Jährige wurde Ende letzten Jahres, nach dem Rücktritt von Antti Rinne, von der sozialdemokratischen Partei Finnlands zur jüngsten Staatschefin der Welt erkoren. Gleich in den ersten Monaten im Amt mit einer weltweiten Pandemie konfrontiert zu werden, birgt eine enorme Herausforderung. Ein halbes Jahr nach dem ersten Coronafall in Finnland steht Sanna Marin mit einem landesweiten Zustimmungswert von 85% und zehnmal weniger Fällen als das benachbarte Schweden besser da, als die überwältigende Mehrheit der Staatsoberhäupter. Wohl aus einer Motivation des eigenen Millennial-Daseins heraus arbeitet sie mit Influencern zusammen, um Transparenz für die junge Bevölkerung zu schaffen. Finnland ist das einzige Land in dem Social Media zu den „critical operators“ im Politikalltag zählt. Sie zögerte nicht, 15 Milliarden in Einzelpersonen und wirklich gefährdete Unternehmen zu investieren, im Gegensatz zu den sonst so beliebten Subventionen für Großfirmen. Das Hauptaugenmerk in der Kommunikation von Marin, die von gleichgeschlechtlichen Eltern großgezogen wurde, lag nicht darauf, um jeden Preis die Wirtschaft, sondern viel mehr darauf, Menschen zu retten.

Was machen die Frauen besser?

Obwohl man natürlich nicht pauschal sagen kann, dass weibliche Führung besser ist als eine männliche, zieht sich zweifelsohne ein roter Faden durch die Coronabewältigung der so erfolgreichen Frauen an der Spitze. Sie zeigten eine größere Bereitschaft, auf externe Stimmen wie Virologen zu hören, während Länder wie Schweden und Großbritannien viel mehr auf regierungsinterne Berater schwören, die logischerweise über eine schwächere Expertise verfügen. Außerdem wussten Marin, Arden und Co., dass eine Wirtschaft nur gerettet werden kann, wenn die Bevölkerung mit monetärem und symbolischem Anstand behandelt wird und Gesundheit das Herzstück der Antwort auf Corona darstellt.

In ihrem Handling der Krise trugen sie auch zu einer Antithese zur traditionellen Sichtweise des Frauenbildes bei. Frauen werden oft als emotional und irrational in jeglicher Krisenbewältigung dargestellt. In dieser Krise zeigt sich wieder einmal, dass das pures Vorurteil ist. Es sind vielmehr die konservativen Männer à la Trump und Bolsonaro, die emotional und irrational auf Covid reagierten, während die Frauen aus purer Rationalität, basierend auf Tatsachen handelten.

Man darf hoffen, dass der Rest der Welt genau auf die Errungenschaften der Frauen in der Politik schaut und merkt, dass es Alternativen zum starken, autoritären Mann gibt. Nämlich die humanistische, emphatische und rationale Art der starken Frauen von Corona.

 

Teil 1: Narendra Modi

Teil 2: Sanna Marin

Teil 3: Jeff Bezos

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