Plattenschau | Scarabeusdream – Crescendo

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Cover von Scarabeusdream - Crescendo

ScarabeusdreamCrescendo (Noise Appeal Records, 2019)
Art Rock / Modern Classical / Screamo | Österreich


Die Pianotasten glühen und die Drum-Sticks gleiten durch die Luft. Österreichs bestes Zwei-Mann-Orchester prescht wieder in unsere Gehörgänge, mit unbestreitbarem Ohrwurmpotenzial und markerschütternder Härte.

At the Radiohead

Auf ihrem dritten Scarabeusdream-Album verbinden Bernd Supper und Hannes Moser die unglaublich diversen Klangwelten, welche sie bereits auf den Vorgängeralben aufgerissen haben, zu einer äußerst potenten Synthese.
Mit ihren Kerninstrumenten Klavier und Schlagzeug jagen sich die beiden Musiker gegenseitig von einem Genre zum nächsten in einem stetigen, musikalischen Kampftanz, welcher sich durch elegante Melodien ebenso wie gewaltigen Klang-Wänden äußert. Von eingängigem Pop, über Nu-Jazz Träumereien und eleganten Melodien der Modernen Klassik, bis hin zu schneidendem Post-Hardcore bietet die Instrumentalisierung eine unglaublich diverse Klangpalette. Die Vocals ordnen sich irgendwo zwischen Thom Yorkes emotionalem Geschmachte und Cedric Bixler-Zavalas (Frontmann von At the Drive-In) Scream-Freakouts ein.

Scream for me

Jedoch zeigt das Album am Stärksten den Kontrast seiner zartesten und seiner chaotischsten Phasen, wenn die präzise Instrumentierung ihre volle Gewalt präsentiert und Bernd Supper sich das Gehirn herausschreit. Ein Glanzbeispiel bietet hier der Zweiteiler „Euphoria“, in dem die Post-Hardcore Wurzeln der Band durch ihre für das Genre unkonventionellen Instrumente zu einem kreativen Feuerwerk der musikalischen Eskalation aufblühen. Den Nährboden für die Härte des Songs bieten die gleitenden Nu-Jazz Passagen welche die Momente der klanglichen Gewalt umgeben. Ein weiteres Highlight bietet der neunminütige Song-Behemoth „But Me“, welcher sich stetig wandelnd präsentiert, jedoch dabei nie den schieren Druck verliert. Die erweiterte Track-Länge gibt dem Duo auch den notwendigen Raum um ihre kreativen Dynamiken zu ihrem vollen Potenzial auszubauen. Wie etwa auf „Crashing Cars“, welches sich langsam von einer zarten Klavierballade zu einem gewaltigen Percussion-Sturm-Crescendo aufbraust, dem Albumtitel alle Ehre machend.

Glanzleistung

Die Vorabsingle „Valley“ zeigt hingegen die progressive Pop-Seite des Duos in ihrem vollen, schillernden Glanz. Wände aus Synthesizer treiben durch den Klangraum als ein bindendes Element für die zentralen Instrumente des Albums und formen so eine wasserdichte Instrumentierung, welche sich als das perfekte Werkzeug für das unglaublich eingängige Songwriting zeigt.

Als ein Gesamtwerk bietet Crescendo eine Klangwelt, welche sich trotz ihrer minimalen Palette aus Kern-Instrumenten als unglaublich divers und einnehmend herausstellt. Vielleicht sogar gerade deshalb. Scarabeusdream zeigen, was zwei kreative Geister in einem schonungslosen Austausch musikalischer Expression kreieren können.

Wer sich diese rasante Genre-Kombination – die live natürlich umso eindrucksvoller wird – nicht engehen lassen möchte, der möge sich Tickets für die Noise Appeal Records Nacht der Erste Österreichische Indie Label Woche sichern. Scarabeusdream live hier!


Favorite tracks: Euphoria, Pt.I; Valley; But Me
Least favorite tracks:

8/10

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