Plattenschau | Mount Eerie With Julie Doiron – Lost Wisdom Pt. 2

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Mount Eerie With Julie DoironLost Wisdom Pt. 2 (P.W. Elverum & Sun, 2019)
Indie Folk / Singer & Songwriter / Slowcore | USA


“Could there be another spring?“ Ja Phil!

2 Jahre ist es nun her, das „A Crow Looked at Me“ Mount Eeries Klangwelt in die tiefsten Schatten der Trauer lenkte. Geformt aus Phil Elverums Trauma, des Verlusts seiner Ehefrau und Mutter seiner damals 1-Jährigen Tochter, Geneviève Castrée, präsentierte das Album ein Musik gewordenes Tagebuch über die dunkelsten Tage, die ein Leben jemals bringen könnte. Karge Musik, die mit jedem Gitarren-Anschlag das Brechen ihres Erschaffers verkörpert und Lyrik, welche die absolute Trostlosigkeit einer zerbrochenen Welt ins tiefste Detail beschrieb, verbanden sich zu einem Kunstwerk, so real und herzzerreißend, dass die Umgebung für die/den Hörer*in zu gefrieren scheint. Gehüllt in kargen Klängen führt, ein Jahr später, Phil Elverum auf „Now Only“ seine in Trauer getränkten Ausführungen weiter.

Zerbrechliche Grübelei

Nun, auf „Lost Wisdom Pt.2“, bleibt der thematische Strang erhalten und Phil Elverum gibt uns weitere Einblicke in sein turbulentes Leben. Zusätzliche thematische Fokuspunkte bieten Beginn und Ende seiner Ehe mit Schauspielerin Michelle Williams. Klanglich scheint jedoch wieder ein wenig Wärme einzufließen. Besonders die erneute Inklusion der kanadischen Sängerin Julie Doiron, nach dem gemeinsamen Album „Lost Wisdom“ in 2008, bringt ein zartes Licht der Hoffnung zurück. Ihre Stimme bringt Halt und melodische Klarheit für Phils zerbrechliche Grübelei. Dies zeigt sich bereits auf dem Eröffnungssong „Belief“, in welchem ihre elegante Melodie Phils trostlose Ausführungen durchbricht, einen wunderschönen Wandel im Song auslöst und die Wärme der Liebe zurückbringt. Liebe erfüllt auch das elegante Duett „Love Without Possession“, welches durch lyrische Brillanz und verträumte Melodien das fantastische Songwriting wiederbelebt, welches Phils Musik schon immer verkörperte, jedoch durch schiere Trauer auf den zwei vorherigen Alben zerrissen schien.

“There’s nothing else I can give but love“

Die dialogorientierten Trauerausführungen spielen aber auch auf „Lost Wisdom Pt.2“ eine zentrale Rolle. „When I Walk Out of the Museum“ schließt direkt an „Now Only“ an, wird jedoch weiter durch Julie Doirons Harmonien erweitert. Das herzzerreißende „Widows“ zertrümmert die zarte Instrumentierung des Albums mit einen Sturm aus verzerrten Gitarren und repräsentiert perfekt die turbulente Emotionswelt des Songwriters mit intensiv lebendigen Details. Auf „Pink Light“ legt sich folgend der Sturm wieder und wirft eine zentrale Frage auf: “Could there be another spring?“. Nach dem scheinbar endlosen Winter der vergangenen zwei Alben bringt „Lost Wisdom Pt.2“ wirklich das Gefühl eines nahenden Frühlings. Dies manifestiert sich nun auch auf dem finalen Song des Albums. Trotz der intensiven Trauer, durch welche sich Phil Elverum in seiner Musik kämpft, schließt das Album mit einer gleißenden Hoffnung: erneute Liebe; „At the edge of this ocean I stand and pour out the glass of water I brought; There’s nothing else I can give but love“.

„Lost Wisdom Pt.2“ zeigt mit melodiöser Wärme und lebendiger Lyrik, dass, egal wie düster der Himmel erscheinen mag, der Durchbruch des ersten Sonnenstrahls nur eine Frage der Zeit ist.


Favorite tracks: Love Without Possession; Widows; Belief
Least favorite tracks: When I walk out of the Museum

9/10

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