Der-Con auf Tour

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Er hat Hip Hop im Blut und neue Musik im Gepäck. Der-Con, das Wiener Rap-Urgestein, hat seine EP Contour (Part 1) veröffentlicht. Wir haben ihn (natürlich noch vor den Ausgangsbeschränkungen) im Café Weidinger auf eine Melange getroffen…

Schnitzel beim Figlmüller oder Street Food in Bangkok?

Auf jeden Fall Streetfood in Bangkok. Ich habe letztes Jahr drei Monate in Bangkok verbracht, wo unter anderem der Track mit dem Rapper 19 Tyger, für die neue EP Contour (Part 1), entstanden ist.
In letzter Zeit war ich viel nomadisch unterwegs und dabei haben sich auch die anderen Tracks für die EP entwickelt.

Was war das erste, das dich an Bangkok geflasht hat?

Definitiv das Essen! Als ich das erste Mal nach Bangkok geflogen bin, kam ich direkt aus Mumbai. Ich habe dann am Flughafen einen Inder gefragt, wie Bangkok eigentlich so ist und er sagte: „Dirty“. Wenn man weiß, wie es in Mumbai in vielen Straßen aussieht, muss er wohl den Sextourismus gemeint haben. Ich war dann sehr überrascht, wie sauber eigentlich Bangkok war.

Wie war das für dich in Wien aufzuwachsen?

1993 öffentliche Hauptschule in Währing. In der Klasse drei österreichische Kiddies – der Rest von überall. Für viele war das ein Problem, für mich waren es einfach meine Klassenkameraden. Aber jeden Tag nach der Schule haben abgemachte Schlägereien im Park stattgefunden. (lacht)

Wer hatte den größten Einfluss in deiner Kindheit und Jugend auf dich?

Viele meiner Jugendvorbilder sind RapperInnen. Einer davon ist KRS One (US Hip Hop Legende). Knowledge kombiniert mit der Musik war schon immer faszinierend für mich. Ich habe nicht nur viele neue Wörter dadurch gelernt, sondern die Inhalte der Tracks erzählten mir Geschichten. Geschichten aus einer anderen Welt über Zustände, Hindernisse und persönliche Erfahrungen. Vieles davon hat mich in meiner Entwicklung geprägt. 

Mit 14 Jahren hatte ich dann meine erste Rap Crew in der HTL und meinen ersten Text geschrieben. Er war auf Englisch und wack.  (lacht)

© Fero Zboray

Könntest du dir vorstellen keine Musik mehr zu machen?

Zwischen 2006 und 2008 gab es so eine Phase, aber selbst da hatte ich Texte geschrieben und Beats produziert. Aber nichts released.

Erzähl uns bitte mehr über die EP Contour, die jetzt vor ein paar Tagen rausgekommen ist.

Das Contour Projekt hat im Keller eines Kellers in Crown Heights, Brooklyn NYC, im Jahr 2014 begonnen. Die Produktion hat mich in viele Städte geführt, um mit lokalen Künstlern und Stilen zu kollaborieren, während der DJ, Produzent und Labelbetreiber Testa (Duzz Down San) die daraus entstandenen Samples und Vocals im Duzz Down San Studio zusammengesetzt hat. Das Ergebnis ist eine Kombination von Sprachen, Künstlern, Stilen und Wissen in einer fetten globalen Musikproduktion. Es ist als Release-Serie gedacht und es wird auch einen Part 2 geben.

Gleichzeitig mit dem EP Contour Release ist auch das zweite Video “Mumbai” rausgekommen. Erzähl uns ein bisschen davon.

Wir hatten zwei Tage Zeit um das Ding in den Kasten zu bekommen. Ich war mir nicht sicher ob das klappen wird. Es war eine Herausforderung mit brennenden Augen im Smog von Mumbai zu rappen und zu drehen. Mein Filmteam Rajeshwari Dasgupta und Shahank Sharma hat wunderbare Arbeit geleistet. Der Track featured den Virtuosen Viveick Rajagopalan, die Autorin Sharanya Rajgopal und den weltberühmten Bansuri Spieler Ashwin Srinivasan.

Hast du Tipps für junge Leute, die sich selbst verwirklichen wollen?

Groß, aber auch realistisch denken. Sich selber gut kennen und einschätzen lernen. Und die „Nein-Sager“ ausblenden.

Der-Con
© Fero Zboray

Was war dein erster Job?

Ein Sommerjob bei der Vermessung am Flughafen Schwechat. Bin mit einem Stecken in der Hand herum gelaufen. Es war gut bezahlt, weil man Zulagen bekam, wegen der Abgase, die man eingeatmet hat. (lacht)

Was gibt dir Kraft?

Sauna und Fitnessstudio. (lacht)

Viele, nicht nur kreative, Menschen, erleben schwierige, manchmal depressive Phasen – wie holst du dich da raus?

Klar gibt es schlechte Tage, aber ich versuche immer produktiv und positiv zu sein. Es war nicht immer so. In meinem Zivildienst hatte ich mit schwer depressiven Menschen zu tun und das hat mich auch sehr geprägt. Es ist wichtig zu wissen, dass es immer einen Weg gibt, den man weiter gehen kann. Auch wenn man in einer Depression steckt und die Sicht darauf verdeckt ist.

Was ist dein Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft?

Auf meinen Reisen habe ich viele KünstlerInnen kennengelernt. Der Gedankenaustausch, die Kreativität und letztendlich die Musik, die dabei entstanden ist – das ist  mein kleiner Beitrag als Künstler. Ich finde es wichtig, sozial schwache und Menschen in sozialen Berufen zu unterstützen.

Das Foto, das wir für das Cover der Contour EP gewählt haben, habe ich 2015 direkt im Dharavi Slum mitten in Mumbai gemacht. Da passiert sehr viel „Recyling-Arbeit“, worauf sie auch stolz sind und was zumindest die Existenz vieler Menschen sichert. Aber es arbeiten auch Kinder dort und es gibt keinen Schutz. Auf dem Foto sieht man wie Aluminum-Flaschenschraubverschlüsse im offenen Feuer eingeschmolzen werden. Der junge Mann macht das jeden Tag seit Jahren und hat nur ein Tuch vor seinem Gesicht. Das Resultat sind Aluminum Barren, die dann an Zwischenhändler verkauft werden.

© Oliver Rudoll

Vielen Dank für das Gespräch!


Weitere Infos

Hier geht es zum Album.

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